Zeitung Heute : Erste Fehler im Windows-Quellcode entdeckt

Kurt Sagatz

Die Warnungen von Microsoft haben nicht viel bewirkt: Bereits wenige Tage, nachdem Teile des Windows-Quellcodes ins Web gelangten, wird in den Mailinglisten des Internets heftig über vermeintliche Sicherheitslücken in den Programmanweisungen des Betriebssystems Windows 2000 diskutiert. Daran konnte die Warnung des Software-Konzerns, dass jedes Herunterladen der Dateien illegal sei, offensichtlich nicht viel ändern. Zu groß ist die Neugier, mit welchen Verfahren Windows die Abläufe des Computers steuert. Und noch größer scheint nun der Wunsch der Programmiererszene zu sein, Microsoft anhand konkreter Beispiele beweisen zu können, wie fehlerhaft die Software-Produkte sind.

Dabei musste offensichtlich nicht allzu lange gesucht werden. In einem Fall wird über die Mailingliste von einer entsprechend manipulierten Bilddatei berichtet, die einen Rechner so verletzt, dass seine Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. In einem anderen Fall will einer der selbst ernannten „Sicherheitsexperten“ nach dem Studium des Windows-Quellcodes herausgefunden haben, wie man über einen Fehler in den Netzwerk-Komponenten ein System zum Absturz bringen kann. Welche Gefahr tatsächlich von solchen angeblichen Programmierfehlern ausgeht, lässt sich im Moment kaum nachprüfen. Sicher ist jedoch, dass mit der illegalen Veröffentlichung des Windows-Quellcodes ein Dammbruch einhergeht, der nicht nur das Image von Microsoft beschädigen kann.

Über den Quellcode lässt sich allerdings auch noch etwas anderes herausfinden. So soll Microsoft die Dateien vor der Weitergabe an Entwickler in anderen Softwarehäusern sowie an Regierungen und Universitäten mit einer eindeutigen Kennzeichnung versehen haben. Und über diese Kennung, so will die israelische Tageszeitung „Haaretz“ nun herausgefunden haben, führt ein direkter Weg zur Software-Schmiede Mainsoft, die seit 1994 Zugang zum Windows-Quellcode haben soll. Mainsoft passt Windows- Programme so an, dass sie auch unter anderen Betriebssystemen wie Unix oder Linux funktionieren. Die Zeitung „Haaretz“ geht in ihrem Beitrag sogar so weit, den Mainsoft-Cheftechniker mit der Weitergabe des Quellcodes in Verbindung zu bringen. Mainsoft hat sich bisher nur vage zu den Vorwürfen geäußert, bekräftigt aber, dass man „voll und ganz mit Microsoft und den Ermittlungsbehörden kooperieren“ werde.

Für Microsoft zumindest genauso wichtig wie die Frage nach der Quelle des Lecks wird es sein, die schon lange bestehenden Sicherheitsbedenken, die nun neue Nahrung erhalten haben, zu zerstreuen. Vor allem für den Erfolg der kommenden Windows-Version „Longhorn“, die 2006 auf den Markt kommen soll, wird dies von enormer Bedeutung sein. Schließlich wollen die Kunden wissen, welcher Anteil dieses Betriebssystems noch mit der Version von Windows 2000 übereinstimmt, die nun zum Ziel der „Sicherheitsexperten“ geworden ist.

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