Zeitung Heute : Erstes Berliner Bioheizkraftwerk entsteht in der Gropiusstadt

Der Tagesspiegel

Rudow. Der Grundstein für das erste Biomasse-Heizkraftwerk in Berlin kann gelegt werden. Sven Schmieder, Pressesprecher des Energieunternehmens Harpen EKT, dem zukünftigen Betreiber des Ökoheizwerkes, verkündete am Mittwoch den erfolgreichen Abschluss des Kaufvertrages über ein Grundstück von etwa 35 000 qm in Berlin-Rudow. Von dort aus sollen ab Mai nächsten Jahres rund 50 000 Anwohner in 20 000 Wohnungen in Gropiusstadt mit Wärme versorgt werden, die bei der Stromerzeugung als Nebenprodukt gewonnen wird. „Das Genehmigungsverfahren sollte in diesem Jahr abgeschlossen werden“, sagte Schmieder.

In dem Kraftwerk dürfen nach der Biomasseverordnung nur erneuerbare Energieträger genutzt werden. „Technisch ist die Anlage als reines Holzkraftwerk ausgelegt“, erklärte Schmieder. Rund 200 000 Tonnen Holzhackmittel sollen jährlich verheizt werden. Es handele sich dabei um Holz von alten Fenstern oder Möbeln sowie um naturbelassene Hölzer aus Berliner und umliegenden Forsten. Der Rohstoff kann per Schiff, Schiene und Straße angeliefert werden.

Um die Errichtung des Bioheizkraftwerkes hatte es wie berichtet wiederholte Auseinandersetzungen zwischen den Anwohnern und dem Betreiber gegeben. Die Anlieger befürchten eine erhöhte Umwelt- und Lärmbelastung durch Zunahme des LKW-Verkehrs beim Transport der Heizmaterialien. Auch wenn die Bedenken der Bürger nicht vollständig ausgeräumt sind, so haben nach Aussagen von Wolfgang Thomas, Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft Degewo, die finanziellen Vorteile überzeugt. Die Harpen EKT verspricht eine 30-prozentige Kostensenkung bei Wärme und Strom. Außerdem sei es das langfristige Ziel der Harpen EK, den Transport zum größten Teil über Wasser- und Schienenwege zu leiten. Hinzu kommt der geplante Autobahnausbau entlang des Teltowkanals, der die Zufahrt der LKWs zur Kanalstraße, dem Standort des Kraftwerks, ohne Durchquerung der angrenzenden Wohngebiete ermöglichen soll.

Die Zukunft des Rudower Kraftwerkes des bisherigen Energieversorgers Bewag bleibt weiter ungewiss. Vonseiten der Gewerkschaft waren im letzten Jahr wiederholte Befürchtungen über eine mögliche Schließung des Werkes geäußert worden. Noch sei aber nichts entschieden, sagte gestern der Pressesprecher der Bewag, Uwe Lemm. Doch bezweifelt Sven Schmiede, Sprecher von Harpen EKT, die Rentabilität eines zweiten Wärme-Kraftwerkes in Gropiusstadt. Die Harpen EKT plant die Schaffung von etwa 40 Arbeitsplätzen im neuen Biomasse-Heizkraftwerk. Die Luftqualität im Süden der Stadt soll sich mit dem emissionsarmen Kraftwerk deutlich verbessern. Katharina von Münster

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