Zeitung Heute : Ertl Fünfte im Ski-Rodeo

Egon Boesten

Im Ski-Rodeo von Deer Valley haben die deutschen Ski-Damen die zweite Medaille bei den Winterspielen verpasst. Nach Bronze in der Kombination musste sich Martina Ertl im olympischen Slalom trotz eines guten zweiten Laufes bei extrem schwierigen Bedingungen mit dem fünften Platz zufrieden geben. Monika Bergmann landete direkt dahinter auf Platz sechs, Annemarie Gerg schied nach bester Zwischenzeit schon im ersten Durchgang aus.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Derweil krönte sich die Kroatin Janica Kostelic schon vor dem abschließenden Riesenslalom am Freitag zur Skikönigin von Deer Valley. Unbeeindruckt von nassem Schneetreiben, brechender Piste und fast irregulären Verhältnissen fuhr die 20-Jährige vor 13 300 Zuschauern zum zweiten Olympiasieg und sicherte sich nach Gold (Kombination) und Silber (Super-G) ihre dritte Medaille. Sie trat damit die Nachfolge von Katja Seizinger an, die 1998 in Nagano zweimal Gold und einmal Bronze gewonnen hatte.

Im deutschen Lager gab es entspannte Gesichter. "Das war eine Klasse-Vorstellung", sagte Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier: "Schade, dass wir nach dem ersten Lauf so weit hinten waren, sonst wäre mehr möglich gewesen." Ertl war "sehr zufrieden. Das war das zweite Mal, dass ich in einer Disziplin ausgerechnet bei Olympia mein bestes Saisonergebnis erzielt habe. Ich sehe dem Riesenslalom sehr zuversichtlich entgegen."

Im ersten Lauf, in dem Ertl und Bergmann zu viel Zeit verloren, legte Kostelic mit Startnummer sieben und überlegener Bestzeit den Grundstein zum Sieg. Mit einer kontrollierten Fahrt im Schneetreiben durch die nasse Buckelpiste rettete sie den Vorsprung dann ins Ziel. In der Gesamtzeit von 1:46,10 Minuten siegte die beste Allrounderin der Welt überlegen vor der Französin Laure Pequegnot (1:46,17), mit drei Saisonerfolgen eine der Favoritinnen, und der Schwedin Anja Paerson (1:47,09), mit vier Siegen in Serie die beste Slalomfahrerin des Winters.

Kostelic war in diesem Winter nie über Platz drei hinausgekommen, als es aber darauf ankam, war sie topfit. "Janica ist brutal", sagte Martina Ertl staunend: "Uns wirft es rum in den Löchern, und sie fährt ganz ruhig." Nach drei Knieoperationen im Sommer war die kräftige Kroatin, die seit ihrer Kindheit von ihrem Vater Ante, einem früheren Handball-Nationalspieler, trainiert wird, erst spät in Schwung gekommen. In der Saison davor hatte sie mit acht Slalomsiegen in Serie noch einen Weltrekord aufgestellt.

Martina Ertl hatte mit der ungünstigen Startnummer 13 im ersten Durchgang ihre Chancen verspielt. "Ich hatte zu kämpfen, dass ich überhaupt durch die Tore komme", berichtete die 28-jährige Lenggrieserin nach ihrer Fahrt: "Bei solchen Löchern in der Piste ist es sehr schwer, die erlernte Technik umzusetzen." Auch Monika Bergmann, nach einem zweiten Platz in Lienz zumindest aussichtsreiche Außenseiterin, hatte mit der Nummer 14 Pech. "Ich bin sicher nicht das gefahren, was ich kann, aber solche Löcher in der Piste sind einfach nicht mein Fall", so die 23-Jährige aus dem Bayerwald.

Annemarie Gerg riskierte mit Nummer 26 viel, war nach der oberen Zwischenzeit sogar 0,24 Sekunden schneller als alle anderen, aber nach 35 Sekunden verfehlte sie ein Tor und landete im Tiefschnee. "Ich bin super rein gekommen", sagte die 26-Jährige, "wenn ich es runtergebracht hätte, wäre ich unter die ersten acht gekommen." sid

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