ERZÄHLER IM EXILDavid Albahari und sein Roman „Ludwig“ : Im Labyrinth von Belgrad

Noemi HahnemannD

Er ist einer der bedeutendsten Erzähler der serbischen Gegenwartsliteratur, auch wenn er drei Viertel des Jahres im kanadischen Calgary verbringt. David Albahari, 1948 in Pek geboren, verließ 1994 Belgrad, nachdem er im Bosnienkrieg als Vorsitzender des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Jugoslawiens mitgeholfen hatte, die Juden aus Sarajevo zu evakuieren. Der Zwang, sich politisch auf eine Seite schlagen zu müssen, stieß ihn ab. Im Exil entstanden einige seiner besten Romane: das semiautobiografische „Mutterland“, „Die Ohrfeige“, das die Machtnetzwerke Ex-Jugoslawiens ergründet, sowie „Götz und Meyer“, das sich ins Denken zweier deutscher SS- Offiziere hineinfantasiert, die die serbische Endlösung der Judenfrage betreiben.

Albaharis jüngstes Buch „Ludwig“ ist – wie so oft bei ihm – ein absatzloses Textlabyrinth: die Suada eines Belgrader Schriftstellers, der sich von einem Kollegen und ehemaligen Freund namens Ludwig um seine besten Ideen und seinen Ruhm betrogen wähnt. Immer bedrohlicher schaukeln sich die Klagewellen auf, als müssten sie gleich brechen, um dann doch einen Hinweis nach dem anderen zu liefern, dass der Betrogene womöglich der eigentliche Betrüger ist. „Ludwig“ ist ein vielfach verschlungener Versuch über Genie, Originalität und Paranoia, in dem bald auch ein Ludwig-Revolver Bedeutung erlangt und der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein. Im Buchhändlerkeller stellt Albahari seinen Roman im Gespräch mit Gregor Dotzauer, Literaturkritiker des Tagesspiegels, vor. Die deutschen Passagen liest der Schauspieler Hermann Treusch. Noemi Hahnemann

Buchhändlerkeller, Mo 16.11., 20.30 Uhr, 5/3 €

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