Zeitung Heute : Erziehung ist keine lästige Freizeitbeschäftigung

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Betrifft: Ist die Erziehung eine der Ursachen von Erfurt?

Wohlstand im Sinne von Gutgehen oder Ein-bisschen-mehr-haben ist bei den meisten Familien mit Kindern in unserem Land nur möglich, wenn die Partner einer „Ehe“ genannten Gemeinschaft beide arbeiten. Um das zu ermöglichen, haben unsere jeweiligen Regierungen viele „Hilfs-Institutionen“ geschaffen, wie Kindergärten, Ganztagsschulen, Jugendheime und auch verschiedenartige Beratungsstellen, die natürlich alle noch nicht in der Anzahl und Qualität vorhanden sind, um alle betreuen zu können und die deswegen in vielen Fällen mehr den Charakter von „Aufbewahr-Anstalten“ haben.

Die traditionelle Funktion der Familie, die Erziehung der nächsten Generation, wird nicht zuletzt durch die staatlichen Hilfen und Anreize immer mehr verlagert „nach außen“. Damit wird aber die Familie als Institution des Zusammenlebens von mindestens zwei Generationen immer mehr überflüssig gemacht.

Wenn das Mehrheitsmeinung in unserem Land ist, müssen wir alles daran setzen, um die bestehenden Einrichtungen zu perfektionieren: jedem Kind seinen Ersatz-Erzieher, also seine persönliche Bezugsperson im Kindergarten, in der Schule und in der Freizeit.

Halten wir diesen Weg aus moralischen und ethischen Gründen oder weil wir ihn nicht bezahlen können, aber für falsch, bietet sich eine andere Richtung an: Wir könnten endlich erkennen, dass die Erziehung junger Menschen nicht nur eine lästige Freizeitbeschäftigung ist, sondern eine ordentliche Aufgabe, die mit einem bisschen „Erziehungsurlaub“ nicht endet, sondern erst anfängt. Das würde bedeuten, einem Elternteil nach dessen eigener Wahl ein richtiges Gehalt zu zahlen, das in etwa seinem letzten Arbeitseinkommen entspricht und das schon deshalb ziemlich hoch sein müsste, um aus dem immer noch schlechten Image der Hausfrau/Hausmagd herauszukommen und die wirkliche Doppelbelastung aus Beruf und Haushalt zu vermeiden.

Gerhard Bubel,

Berlin-Lichterfelde

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