Zeitung Heute : „Es existiert keine konkrete Bedrohung“

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Wolfgang Schäuble sieht Deutschland von „schmutzigen Bomben“ bedroht. Hat er damit Recht, Herr König?

Es ist Aufgabe des Innenministers, die Wahrscheinlichkeit eines terroristischen Angriffes in Deutschland zu beurteilen. Das Bundesamt für Strahlenschutz nimmt die Gefahren terroristischer Angriffe sehr ernst und leistet im konkreten Bedrohungsfall Unterstützung bei der Detektierung „schmutziger Bomben“ und bei der Beurteilung der radiologischen Gefahren.

Sie schreiben allerdings auf Ihrer Internetseite: „Dem BfS liegen keine Erkenntnisse vor, nach denen „schmutzige Bomben“ in Deutschland eine reale Bedrohung darstellen.“ Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Nach Information der zuständigen Behörden liegen bis heute keine Erkenntnisse vor, dass eine „schmutzige Bombe“ als konkrete Bedrohung existiert. Davon unabhängig ist es jedoch Aufgabe meiner Behörde, ähnlich wie bei Unfällen in Kernkraftwerken, für unterschiedliche Szenarien gewappnet zu sein und geeignete Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung treffen zu können.

Wie einfach wäre es denn überhaupt, eine „schmutzige Bombe“ in Deutschland zu bauen?

Deutschland und die Europäische Union haben Strukturen geschaffen, mit denen hochradioaktive Quellen in ganz Europa lückenlos verfolgt werden können.

Sie haben mehrfach vor einer „Überreaktion“ in der Bevölkerung, also vor Panik. Warum?

„Schmutzige Bomben“ sind – das möchte ich ausdrücklich unterstreichen – keine Atombomben. Es sind konventionelle Sprengkörper, denen radioaktive Stoffe beigemengt sind. Für die meisten Radionuklide ist nicht zu erwarten, dass eine „schmutzige Bombe“ aus radiologischer Sicht lebensbedrohliche Folgen hätte. Ich glaube jedoch, dass die psychologische Wirkung eines solchen Anschlags nicht unterschätzt werden darf.

Wolfram König ist Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Das Gespräch führte André Görke.

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