Zeitung Heute : Es geht aufwärts

Seit zehn Jahren schrumpft das Bruttoinlandsprodukt von Berlin fast ununterbrochen. 2006 ist der Wendepunkt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für dieses und nächstes Jahr ein Plus

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Von Christian Dreger Die Berliner Wirtschaft wächst stärker als noch im Frühjahr erwartet. Im kommenden Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt jedoch langsamer wachsen als 2006. Das geht aus der Wirtschaftsprognose für die Hauptstadt hervor, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Tagesspiegels berechnet.

Der DIW-Hauptstadtindikator prognostiziert für 2006 ein Wachstum des Berliner Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozentpunkte pro Vierteljahr. Das führt zu einem Jahreswachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozentpunkten.

Im Vergleich zur Prognose von April haben sich die Aussichten von 0,4 auf 0,8 Prozentpunkte sogar noch leicht verbessert. Das ist vor allem auf die stärkere gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zurückzuführen. Im nächsten Jahr ist allerdings bereits mit einer Eintrübung der konjunkturellen Perspektiven zu rechnen. Diese wird vor allem durch die Mehrwertsteuererhöhung verursacht.

Das Wachstum dürfte 2007 dann nur noch bei 0,2 Prozentpunkten liegen. Damit würde es jedoch noch immer deutlich den Berliner Durchschnitt der letzten zehn Jahre übertreffen.Denn in diesem Zeitraum war die wirtschaftliche Dynamik in Berlin spürbar schwächer als im übrigen Bundesgebiet. So lag die Wachstumsrate im Durchschnitt rund zwei Prozentpunkte unter der gesamtdeutschen Entwicklung. Bis auf das Boomjahr 2000 ist die Berliner Wirtschaft beständig geschrumpft.

Im betrachteten Prognosezeitraum fällt die wirtschaftliche Dynamik in Berlin wiederum geringer als im übrigen Bundesgebiet aus. Die Chancen stehen allerdings recht gut, dass die Phase negativen Wachstums, die die letzten Jahre geprägt hat, überwunden wird.

Das Wachstum in der Hauptstadt wird von gesamtdeutschen und von berlinspezifischen Größen bestimmt. Für Berlin spielen vor allem Verkehrsvariablen wie Kfz-Neuzulassungen, der Umsatz in der Industrie und die Tourismusbranche eine wesentliche Rolle, die mit der entsprechenden Gewichtung in den DIW-Hauptstadtindikator einfließen. Er ermöglicht es, durch eine präzisere Einschätzung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung die Planungsgrundlagen von Haushalten und Unternehmen zu verbessern.

Der Autor ist Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin

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