Zeitung Heute : Es geht gegen null

Cordula Eubel

Kürzung der Renten oder Anhebung des Rentenalters – wieder steht die Zukunft der Altersversorgung in der Diskussion. Was bedeutet das für die Rentner und für die Jüngeren?

Die Nullrunde für die 19 Millionen Rentner im Juli 2005 ist so gut wie beschlossen. Eine entsprechende Verordnung des Sozialministeriums soll im April im Kabinett beschlossen werden. Der Ärger bei den Senioren ist programmiert, dabei haben sie sogar Glück im Unglück. In die neue Rentenformel haben die rot-grünen Koalitionsfraktionen bei der letzten Rentenreform eine Sicherungsklausel eingefügt, die Rentenkürzungen verhindert.

Gäbe es diese Klausel nicht, müssten nach Berechnungen der Ministeriumsexperten die Altersbezüge in diesem Jahr sogar durch die hohen Abschläge sinken. Der Rentenanstieg wird durch einen Nachhaltigkeitsfaktor gebremst, der das sich verändernde Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern berücksichtigt. Außerdem gibt es Abzüge dafür, dass Arbeitnehmer einen höheren Anteil für die private Altersvorsorge aufbringen müssen. Weil im letzten Jahr die Lohn- und Gehaltssumme nur um 0,12 Prozent gestiegen ist, wäre es rechnerisch zu einer Rentenkürzung gekommen.

Die Sicherungsklausel verhindert Rentenkürzungen aber nur, solange die Summe der Bruttolöhne und -gehälter bei den Beschäftigten steigt. Wenn Arbeitnehmer bei ihren Einkommen Einbußen hinnehmen müssen, droht auch den Rentnern eine Minusrunde. Wie sich Löhne und Gehälter in diesem Jahr entwickeln werden, ist allerdings schwer einzuschätzen. Die Politik könnte außerdem immer noch entscheiden, im Wahljahr 2006 von der Rentenformel abzuweichen und eine Nullrunde statt einer Rentenkürzung zu beschließen.

Sollten sich die Beitragseinnahmen der Rentenversicherung 2005 nicht so entwickeln wie erhofft, könnten den Rentenkassen am Jahresende zwei Milliarden Euro fehlen. Dass die Regierung Rentenkürzungen beschließt, ist unwahrscheinlich. Die Belastung wird daher in erster Linie die Jüngeren treffen. Wenn der Nachhaltigkeitsfaktor in den nächsten Jahren seine Wirkung nicht entfaltet, können nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Bert Rürup auch die Beitragsziele für das Jahr 2020 (20 Prozent) und 2030 (22 Prozent) nicht gehalten werden. Auf die Jüngeren kommen dann höhere Rentenbeiträge zu, während sie gleichzeitig stärker privat fürs Alter vorsorgen müssen.

Eine schnelle Anhebung des Renteneintrittsalters, wie Ökonomen sie fordern, lehnen Politiker von SPD und Union derzeit ab – trotz der steigenden Lebenserwartung. Das Argument: Für Ältere gebe es zu wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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