Zeitung Heute : Es geht noch mehr

Politiker aller Parteien diskutieren Möglichkeiten der Förderung des Behindertensports in Deutschland

Brigitte Zypries ist Vorsitzende des Kuratoriums des Deutschen Behindertensportverbands (DBS). Ihr Hauptaugenmerk ist darauf gerichtet, die Strukturen im Behindertensport so zu verbessern, dass dieser „bekannter und schlagfertiger“ werde.

Dafür sei zunächst einmal mehr Geld notwendig, um beispielsweise den Athleten mit Behinderung die gleichen Prämien zahlen zu können wie Nichtbehinderten. Irgendwann, so Zypries weiter, könne auch darüber nachgedacht werden, paralympische und olympische Spiele zusammenzulegen, wobei in jedem Fall zunächst eine Erprobung bei Weltmeisterschaften im Schwimmen oder in der Leichtathletik sinnvoll sei.

Wenn man diesen Gedanken der Inklusion zu Ende führe, „muss die strikte organisatorische Trennung des Spitzensports von Menschen mit und ohne Behinderung überdacht werden“, sagt Winfred Hermann, sportpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen. Doch auch im Breitensport ist eine Umstrukturierung notwendig. Karl Schiewerling, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, meint: „Das fängt schon vor Ort an: Ein Verein, der gezielt auch Behindertensport anbietet, leistet unendlich viel.“

Damit sich der Sport von Menschen mit Behinderung weiter erfolgreich entwickeln könne, sollte auch die Sportinfrastruktur in Deutschland behindertengerecht werden, fordert Martin Gerster, sportpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Gabriele Molitor, behindertenpolitische Sprecherin der FDP, pflichtet dem bei: „Die Gesellschaft muss sich auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen einstellen und nicht die Menschen mit Behinderungen auf die Gesellschaft.“

Amtskollege Ilja Seifert von den Linken sitzt selbst im Rollstuhl. Er weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, außen vor gelassen zu werden: „Die Sportler wollen nicht unter sich, sie wollen unter allen sein. Wir wollen keine idealen Inseln haben, auf denen wir leben, sondern wollen uns überall, wo wir hinkommen, zurechtfinden.“

Bundessozialministerin Ursula von der Leyen pocht auf die Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention, „und zwar gemeinsam mit den Beteiligten, die es angeht. Mir ist wichtig, einen Bewusstseinswandel herbeizuführen, unsere Perspektive zu verändern: Weg von der Fürsorge, hin zu einer Sichtweise, nach der die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe der Menschen mit Behinderung Voraussetzung ist.“

In Kanada ist man diesbezüglich schon weiter. Deshalb hofft DBS-Funktionärin Zypries, dass die Spiele in Vancouver mit ihrer „Wir-zeigen-was-wir-können-Stimmung“ einen richtigen Push geben, um ein solches Ergebnis auch in Deutschland zu erzielen.Anne Balzer, 18 Jahre

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