Zeitung Heute : „Es gibt Anlass zur Sorge“

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Von den Entführern der beiden Deutschen im Irak ist ein neues Video aufgetaucht. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, Herr Hirschmann?

Ich würde es eher als positives Zeichen werten. Die Entführer sind offensichtlich nicht zu allem entschlossen. Es geht ihnen nicht darum, eine Hinrichtung zu inszenieren, wie es der Terrorführer al Sarkawi gemacht hatte. Er hatte zuerst gedroht und die Drohung dann in die Tat umgesetzt. Es geht hier um eine Gruppe, die den politischen Propagandaeffekt, nämlich die Ausstrahlung in die arabische Welt, sehr hoch bewertet.

Gibt es Unterschiede zum ersten Video?

Ja, die Gefangenen sind anders angezogen, diesmal in orangefarbenen Kleidern. Diese sind ein der Kleidung des Gefängnisses Abu Ghraib nachempfunden. Das ist ein kleiner Wermutstropfen, der doch Anlass zur Sorge gibt. Denn in diese Kleidung wurden schon häufiger Geiseln gesteckt, bei denen man dann wirklich zum Äußersten entschlossen war.

Um was geht es den Entführern?

Es geht ihnen darum, Anliegen zu demonstrieren und die Öffentlichkeit in Deutschland unter Druck zu setzen. Und es geht ihnen darum, Anhänger in den muslimischen Ländern zu finden. Was aber sehr positiv ist: Das neue Video wiederholt zwar die Forderungen, die in dem ersten gestellt worden sind, enthält aber kein neues Ultimatum. Man geht offensichtlich bei den Geiselnehmern von einer längeren Angelegenheit aus. Auch die Entführer wissen, dass die Erfüllung ihrer Forderungen – der Abbruch der deutschen Kontakte zur irakischen Regierung – unwahrscheinlich ist. Es könnte auch sein, dass es den Terroristen vor allem um einen Warnschuss geht, damit Deutschland sich nicht zusätzlich im Irak engagiert.

Kai Hirschmann ist Direktor des Instituts für Terrorismusforschung in Essen. Das Gespräch führte Fabian Leber.

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