Zeitung Heute : Es hat sich ausgewackelt

Die digitale Technik macht es möglich: Auch Hobbyfotografen können nun schwierige Aufnahmen meistern

Andreas Kaiser[Hannover]

Nachdem die digitalen Kameras im vergangenen Jahr endgültig im Massenmarkt angekommen sind, ist jetzt eine Entwicklung hin zu besserer Qualität und mehr Leistung für weniger Geld zu beobachten. Wie sich auf der Cebit in Hannover zeigte, sind nach der Hatz auf immer mehr Pixel nun Komfortfunktionen wie schnelles Auslösen, verbesserte Bildsensoren und Bildstabilisatoren die bewegenden Themen. Nie wieder verwackelte Aufnahmen, heißt die Devise.

Wer mit weit ausgefahrenem Zoom und ohne Stativ fotografiert, erhält nicht selten verwackelte Bilder. Das mit großen Brennweiten und langen Verschlusszeiten einhergehende Problem trat bislang selbst bei Profikameras auf und ließ sich fast nur durch kurze Verschlusszeiten lösen. Kameras mit optoelektronischem Bildstabilisator wie die von Panasonic erkennen dagegen selbst leichte Kamerabewegungen und wirken mit einem beweglichen Linsen-System entgegen – bis zu 1000 Mal in einer Sekunde. Bei Video-Camcordern wird das Verfahren seit langem angewandt. Oder man greift auf bewährte Techniken zurück, so wie Fujifilm. Ein Drahtauslöser lässt sich an der S7000 anbringen, damit Aufnahmen mit dem Stativ ganz sicher nicht mehr beim Auslösen verwackeln.

Das gilt freilich nicht nur für den Verwackel-Schutz. Inzwischen bieten einige Kompaktkameras auch die Möglichkeit zum Aufnehmen von Videos ohne Zeitbegrenzung. Mit 30 Bildern pro Sekunde (Auflösung: 640 x 480 Pixel) liefert beispielsweise die Finecam S3R von Kyocera für knapp 400 Euro durchaus fernsehtaugliche Filmchen. Noch mehr angenähert haben sich Foto- und Videokamera bei der Dimage Z2 von Konica-Minolta. Das Gerät liefert Filme in bester Videoqualität. Der Trend hat inzwischen sogar einen Namen: Videografie.

Zwar fotografieren noch rund 70 bis 80 Prozent der Deutschen analog. Doch beim Verkauf von neuen Geräten haben die herkömmlichen Knipsen längst das Nachsehen. 2003 wurden in Deutschland rund fünf Millionen Digitalkameras verkauft – mehr als doppelt so viele wie 2002. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht, zumal inzwischen auch die ersten digitalen Spiegelreflexkameras wie die Canon EOS 300D oder die Nikon D70 für rund 1000 Euro für den Privatverbraucher erschwinglich geworden sind.

Vor allem im Kompaktkamerabereich ist die Produktvielfalt zuletzt schier unübersichtlich geworden. Während bei den Einsteigerkameras für unter 300 Euro vor gut einem Jahr noch eine Bildauflösung von zwei Megapixel als ordentlich galt, sind jetzt in diesem Segment mindestens drei oder vier Megapixel das Maß der Dinge. Rekordhalter in Sachen Auflösung ist nach wie vor die Profikamera Kodak DCS Pro 14n mit 13,89 Millionen Pixel. Allerdings kostet allein das Gehäuse rund 6000 Euro.

Doch Vorsicht: Neben der Auflösung sind vor allem die Objektive sowie die Bildsensoren entscheidend für die Qualität der Bilder. Um hier den richtigen Kauf zu tätigen, sollten immer auch Testberichte (siehe Kasten) herangezogen werden. Grundsätzlich aber gilt, dass Kameras wie die Polaroid X530, die mit einem Foveon-Sensor ausgestattet sind, schärfere und farbtreuere Bilder liefern, als Kameras mit den bisher gängigen CCD-Sensoren. Allerdings haben jetzt auch Sony und Fujifilm ihre CCD-Sensoren technisch stark nachgebessert.

Neben dem Bildsensor haben mehrere Hersteller auch die Datenverarbeitung der Kameras erheblich verbessert; was sich neben verbesserten Verwacklungsfiltern bei der Auslöseverzögerung bemerkbar macht. Bisher war die Zeitschere zwischen dem Drücken des Auslösers bis zur Aufnahme des Bildes ein gravierender Nachteil der digitalen gegenüber der analogen Fotografie und hat Schnappschüsse mit vielen Einsteigerkameras nahezu unmöglich gemacht. Mittlerweile kommen einige Kompaktkameras wie die Optio S4 von Pentax sagenhaft schnell zur Sache (0,001 Sekunden). Sogar flinker als ihre analoge Schwester ist im Profibereich die Nikon D2H mit einer Auslöseverzögerung von 37 Millisekunden.

Auch beim Zoom geht der Trend hin zu mehr Qualität. Statt des leidigen digitalen Zooms, bei dem lediglich die vorhandene Bildinformation zu Lasten der Bildschärfe aufgeplustert wird, sind nun optische Zooms angesagt. Für rund 450 Euro ist die Jendigital JD 3.3z10 mit einem 10-fachen optischen Zoom zu haben. Auch die Geräte aus der Lumix-Reihe (430 bis 700 Euro) von Panasonic verfügen über starke Zooms, ausgezeichnete Leica-Objektive und Bildstabilisatoren.

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