Zeitung Heute : „Es leiden die unschuldigen Menschen“ Der Erzbischof von Bulawayo

kritisiert Mugabes Politik

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In der Nacht von Donnerstag zu Freitag endet das Ultimatum von Staatspräsident Robert Mugabe an die weißen Farmer. Bis dahin müssen sie ihre Ländereien verlassen haben. Wie ist die Situation im Augenblick?

Die Situation ist stark gespannt. Eine Reihe weißer Farmer hat sich offenbar entschlossen, nicht nachzugeben und auszuharren. Das könnte bedeuten, dass die Regierung sie demnächst mit Gewalt zwingt zu gehen. Die Regierung Mugabe agiert gesetzlos, verantwortungslos und herzlos. Sie greift ihre eigenen Bürger an. Auch die weißen Farmer sind Bürger Simbabwes. Sie haben – teilweise über Generationen – für dieses Land gearbeitet.

Glauben Sie, dass die Gewalt in den nächsten Wochen eskaliert?

Das kann passieren, bei Mugabes Kriegsveteranen kann man nie wissen, wie sie sich verhalten. Ich hoffe natürlich, dass die Regierung Vernunft annimmt und den weißen Farmern gestattet zu bleiben. Aber ich fürchte, dass ist eine Illusion.

Braucht Simbabwe eine Landreform?

Eine Landreform ist notwendig, aber es gibt keinen Grund dafür, sie so schnell und rücksichtslos durchzupeitschen. Es gibt schon lange eine internationale Vereinbarung, das Land der weißen Farmer teilweise aufzukaufen und neu zu verteilen. Selbst das Geld für dieses Programm war bereits vorhanden, bereitgestellt beispielsweise durch Großbritannien. Das Land gehört dem Volk, nicht den Weißen und nicht den Parteifreunden Mugabes. Doch Mugabe hat sich entschlossen, die Landfrage für seinen Machterhalt zu instrumentalisieren.

Was muss denn an Reformen geschehen?

Die schwarzen Familien, die jetzt auf die Farmen geschickt werden, haben keine Werkzeuge und keine Ahnung, wie sie dieses Land bestellen sollen. Sie sind nicht in der Lage, den Boden zu bewirtschaften. Viele Menschen könnten sich ein neues Auskommen schaffen, aber sie wissen nicht wie. Sie brauchen eine gediegene Ausbildung und finanzielle Hilfen.

Wie viele Menschen hungern wegen der Auseinandersetzung um die Farmen?

Etwa sechs Millionen Menschen, das ist die Hälfte der Bevölkerung. Leute stehen drei, vier Tage Schlange, um etwas zu essen zu ergattern. Sie haben Geld, aber können dafür keine Lebensmittel kaufen.

Gab es schon einmal eine vergleichbare Hungersnot?

Nein, niemals. Selbst im Jahr 1992, als wir hier die schwerste Dürre seit Menschengedenken hatten, gab es genug zu essen.

Gibt es staatliche Lebensmittelhilfen?

An manchen Orten. Diese Hilfe ist vor allem für Schulkinder, Kranke oder Alte. Die Leute zwischen 13 und 65 Jahren dagegen haben praktisch nichts mehr zu essen. In manchen Gegenden werden Nahrungsmittel auch nur an Parteianhänger Mugabes ausgegeben.

Sollten EU und USA dennoch mit Lebensmitteln helfen?

Ja, denn es leiden die unschuldigen Menschen. Die jetzt hungern, haben diese Politik nicht zu verantworten.

Das Gespräch führte Martin Gehlen.

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