Zeitung Heute : „Es lohnt sich, Neues auszuprobieren“

Ein Gespräch mit dem Direktor des Zentrums für Clusterentwicklung der Freien Universität, Professor Carsten Dreher

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Auch im Exzellenzcluster Topoi, das sich mit der Wechselwirkung von Raum und Wissen in antiken Kulturen beschäftigt, gehen die...

Herr Professor Dreher, Sie sind seit März Direktor des Zentrums für Clusterentwicklung, das nach dem Erfolg der Freien Universität in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder an der Universität eingerichtet wurde. Sie haben zugleich den Ruf auf die Professur für Innovationsmanagement am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft angenommen. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Meine Schwerpunkte als Wissenschaftler liegen in der strategischen Forschungsplanung und im Innovationsmanagement. Genau deshalb reizt mich die Rolle im Zentrum für Clusterentwicklung, das als eines der drei strategischen Zentren bei der Umsetzung des Zukunftskonzepts der Freien Universität eine wichtige Rolle spielt. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit den Wissenschaftlern Cluster aufzubauen, damit neue Forschungsprojekte zu ermöglichen sowie mehr Drittmittel einzuwerben. Ein persönlicher Reiz liegt für mich darin, dass ich mich durch die Fächervielfalt der Freien Universität mit einer Vielzahl unterschiedlicher Themenfelder auseinandersetzen werde.

Das Zentrum wird sich auf Cluster konzentrieren, also auf fächerübergreifende Forschungsverbünde. Ist Forschung, die ausschließlich an einem Fachbereich angesiedelt ist, nicht mehr zeitgemäß?

Es gibt hier keinen Gegensatz. Die Forschung an den Fachbereichen ist Grundlage wissenschaftlicher Exzellenz. Nur mit den an den Fachbereichen entwickelten und gepflegten Methoden kann es Forschung in Clustern und eine Inspiration über Fachgrenzen hinweg geben.

Auf welche Stärken kann die Freie Universität beim Ausbau der Clusterforschung setzen?

Die Freie Universität hat im Exzellenzwettbewerb Mittel für Cluster und für Graduiertenschulen bewilligt bekommen, sie verfügt zudem über eine Reihe von erfolgreichen Sonderforschungsbereichen und anderen Drittmittelprojekten. Gemeinsam mit Forschergruppen und neuberufenen Wissenschaftlern wollen wir diese Stärken festigen und dafür sorgen, dass auch potenzielle Stärken zu Stärken werden.

Wie werden Sie dabei vorgehen und neue Forschungsschwerpunkte entwickeln?

Wir werden vor allem das Gespräch mit Vertretern der Fachbereiche über die Stärken und Aktivitäten, aber auch über mögliche Schwächen suchen, darunter mit Wissenschaftlern, die interne Wettbewerbe um Drittmittel organisiert haben. Als Anregung und Grundlage werden wir Ergebnisse von gemeinsam vorgenommenen Potenzialanalysen heranziehen. Im Vordergrund steht aber der Dialog. Niemand aus meinem Team kann Experte für die Biologie der Pflanzen und für Linguistik gleichermaßen sein, doch in allen Fragen jenseits der Fachdisziplin möchten wir die Wissenschaftler unterstützen. Mir fällt das Beispiel eines dänischen Pharmaunternehmens ein, das Weltmarktführer auf seinem Gebiet ist. Die Firma hat eine Kreativfeuerwehr, die tatsächlich so heißt. Die wird immer dann gerufen, wenn die Forscher einmal in einer Sackgasse stecken und ermöglicht neue Ideen. Ich finde, an dem Beispiel können auch exzellente Wissenschaftler einer Universität lernen, dass es sich lohnt, manchmal neue Herangehensweisen auszuprobieren.

Welche eigenen Erfahrungen mit fächer- und länderübergreifenden Projekten haben Sie?

Ich habe an vielen interdisziplinären regional- und grenzüberschreitenden Projekten mitgewirkt, an denen beispielsweise Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler beteiligt waren. Im Vorhaben „Manufacturing Visions“, in dem es um langfristige Entwicklungsszenarien für das Produzieren in Europa ging, waren mehr als 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 31 Einrichtungen in 22 Ländern beteiligt.

Worin sehen Sie die Grundlage für erfolgreiche Innovationen in der Forschung?

Vor allem natürlich in der Exzellenz der wissenschaftlichen Arbeit. Sehr wichtig sind allerdings auch die Bereitschaft und Fähigkeit zum Dialog sowie Interesse und Neugier. Genau diese Eigenschaften wollen wir im Zentrum für Clusterentwicklung fördern.

Wie werden Forschungscluster entwickelt und wie werden dafür Drittmittel eingeworben?

Wichtig für erfolgreiche Anträge aus den Forschungsclustern ist es, die Gebiete, auf denen unsere Wissenschaftler einen Vorsprung vor anderen haben, mit dem Forschungsbedarf und dem Erkenntnisinteresse der Gesellschaft zusammenzuführen. Dann können Zuwendungsgeber oder Sponsoren für den Forschungsbedarf, den wir sehen, begeistert werden.

Welche Rolle spielt die Organisation von Forschung in Clustern international? Können Sie erfolgreiche Beispiele nennen?

Welche Forschung ist nicht international? Denken Sie an die Genom-Projekte oder an internationale Großvorhaben der Geisteswissenschaften bei der Erarbeitung von Werkausgaben. Holländische Kollegen, die über die Dynamik von Wissenschaft forschen, haben herausgefunden, dass Forschung in wachsendem Maß international ist.

Wie vertragen sich Wettbewerb und Kooperation von Universitäten – national und international?

Das Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und Kooperation ist nicht neu, vermutlich hat sich der Wettbewerb angesichts knapper Kassen zuletzt eher verschärft. Die Institutionen und deren Wissenschaftler und Forschergruppen müssen auf ihre Alleinstellungsmerkmale achten, um sich von anderen zu unterscheiden. Gleichzeitig müssen sie, weil sie ja nur durch den Dialog und durch die Zusammenarbeit neues Wissen für sich hervorbringen können, deutlich machen, dass sie kooperationsfähig und -willig sind. Der Anstand gebietet es, dass man sagt, auf welchen Feldern man zusammenarbeiten möchte und wo nicht.

Sind die Unterschiede zwischen den Universitäten durch die Exzellenzinitiative entstanden?

Die Universitäten waren schon vorher unterschiedlich leistungsfähig. Es ist jetzt nur offensichtlich geworden und durch die Wettbewerbe natürlich verstärkt worden.

Welche Rolle spielen die Außenbüros, die die Freie Universität unter anderem in Brüssel, Neu-Delhi, Moskau und Peking unterhält, bei der Suche nach neuen Forschungsansätzen?

Sie sollen die Wissenschaftler bei der Bildung von Forschungsnetzwerken logistisch unterstützen. Im Fall des Brüsseler Büros setze ich vor allem auf sehr frühzeitige Informationen über Fördermöglichkeiten auf europäischer Ebene.

Wo sehen Sie die Freie Universität Berlin im internationalen Wettbewerb in fünf Jahren?

Noch weiter vorne. Daran werden wir intensiv arbeiten.

Die Fragen stellte Carsten Wette

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