Esther Kogelboom ringt mit guten Vorsätzen : ... und schreibt einen Liebesbrief (keine Anzeige)

Hier möchte ich ausnahmsweise einen Liebesbrief veröffentlichen. Nein, nicht etwa an mein winziges Neugeborenes, seinen Vater oder die geniale Anästhesistin aus der Charité.

Esther Kogelboom
Esther Kogelboom.
Esther Kogelboom.Foto: Mike Wolff

Der Hintergrund: Ich habe mir fest vorgenommen, trotz Wochenbett täglich einmal die Wohnung zu verlassen. So passiert es oft, dass ich alle Energie in das Waschen, Stillen, Wickeln, Ankleiden und Skypen mit Uroma stecke, bevor ich mit dem Kinderwagen auf dem Trottoir stehe und gar nicht mehr weiß, wohin eigentlich des Weges.

In den Zoo? Kind eindeutig zu klein. Ins Kupferstichkabinett? Nicht schon wieder. In den Park? Langweilig und kalt. Zu Cos? Zu teuer, zu frustrierend. Freunde besuchen? Sitzen alle in Büros. Zu dm? Au ja! Die Feuchttücher und Mülltüten gehen bald zur Neige, die Glitzi-Schwämme riechen verfilzt, das letzte Stillhütchen hat sich vergangene Nacht entmaterialisiert. Und vielleicht könnte ein Zitronen-Duschgel meine Laune heben … es wird höchste Zeit für einen Besuch von Deutschlands Feelgood-Drogerie Nummer eins.

Lieber dm,

danke, dass es Dich gibt. Wenn ich Deine großzügigen, hellen, nie überhitzten Räumlichkeiten betrete, durchströmt mich ein tiefes Glücksgefühl. Mindestens einmal täglich besuche ich dich – wie so viele andere Mütter schätze ich diesen sicheren Anker im Alltag, den Du uns bietest.

Denn nur bei Dir gibt es Babylove-Feuchttücher im praktischen Viererpack. Deine Windel- und Breiabteilungen sind absolut übersichtlich, im Kloreiniger-Gang kriegt man Vorfreude darauf, das Bad zu schrubben. Oh, ein Fleckenradierer – für alle Fälle, man weiß ja nie.

Bei Fragen kann ich mich an Deine Mitarbeiter wenden, die sich sogar auf einen kleinen Klönschnack über die Vorteile von Stoppersocken einlassen.

Und am Ende, kurz vor den Kassen, steht ein Kühlschrank mit erfrischendem Alnatura-Quellwasser mit Apfel-Minz-Geschmack – in Zeiten der Enthaltsamkeit eine echte Alternative zum Sauvignon Blanc.

Dein Alverde-Magazin verdrängt nun schon seit Wochen das „Missy Magazine“ von meinem Nachtkästlein, und ich freue mich riesig darauf, dass mein Kind älter wird, damit ich endlich das SauBär-Knisterbad (dermatologisch getestet) ausprobieren kann. Gerade bade ich es in Kleine-Elfe-Waschlotion mit Gänseblümchen – hinter dem Rücken der Hebamme, versteht sich, denn die steht seltsamerweise auf klares Wasser. Aber wenn es doch Bio-Gänseblümchen sind!

Keine Ahnung, wie Du mich so verzaubern konntest, dass ich den Großteil meines Elterngeldes für Deine Waren ausgebe. Ich bin wohl abhängig geworden, aber ich bin gerne eine dm-Junkie.

Ja, okay, es stimmt, ich bin auch ein bisschen einsam. Die Deadline für die Anmeldung zur Krabbelgruppe habe ich dummerweise ungenutzt verstreichen lassen, für die Rückbildungsgymnastik ist es zu früh, das Eltern-Kind-Café wird beherrscht von einjährigen Bandidos. Da kam Deine Einladung zum Baby-Bonus-Club gerade recht. Der Türsteher ist streng, er lässt nur zerzauste und übernächtigte Leute mit unnatürlich veränderten Brüsten rein. Leute wie mich. Danke dafür, lieber dm.

Seit ich Dich kenne, sind mir alle anderen Drogerien fad.

Ach, wahrscheinlich werde ich als runzeliges Großmütterchen an diese frühe Mutter-Zeit zurückdenken. Dann könnte ich auch endlich mit den Lupen an Deinen Einkaufswagen etwas anfangen.

In diesem Sinne, ich erhebe feierlich mein Himbeere-Rhabarber-Sélection-Marmeladenglas auf Dich: Deine Esther

An dieser Stelle wechseln sich ab: Elena Senft, Moritz Rinke, Esther Kogelboom und Jens Mühling.

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