Zeitung Heute : Etablierte Pioniere

International gefragt: Thatchers steht für die neuen Berliner Modemacher

Katja Gartz

Das Schaufenster ist puristisch: Zwei Puppen, zwei Kleider. Die Silhouetten sind schmal, die Details figurbetont, der Stil schlicht, weiblich und meist elegant. „Unsere Mode ist Ausdruck eines guten Lebensgefühls“, sagt Thomas Mrozek, einer der Macher des Modelabels Thatchers. Gemeinsam mit seinem Partner Ralf Hensellek macht er Mode für Frauen, die es individuell lieben und sich in guter Kleidung wohlfühlen.

In Berlin sind sie mit zwei Geschäften vertreten, in der Kastanienallee und in den Hackeschen Höfen. In Hamburg hat ein Mitarbeiter im Juli den ersten Thatchers-Laden nach dem Franchiseprinzip eröffnet, außerdem befindet sich ein Onlineshop im Aufbau. Die Marke Thatchers hat sich durchgesetzt. „In den vergangenen Jahren hat sich unser Umsatz versechsfacht“, berichtet Mrozek. Allein in den letzten beiden Jahren habe sich dieser verdoppelt. Ihre Kundinnen blieben ihnen treu, würden zurzeit allerdings etwas weniger kaufen. „In diesem Jahr verzeichnen wir eine Umsatzsteigerung von zwanzig Prozent, das ist zwar weniger, aber noch lange kein Rückschritt“, sagt der 50-Jährige. Laut Ralf Hensellek kaufen die Leute heute lieber weniger, aber dafür gute Qualität.

Die beiden Modemacher gehören zu den Pionieren der Berliner Modeszene nach der Wende. Die Marke Thatchers riefen sie 1995 ins Leben, eröffneten in der damals noch ruhigen Kastanienallee ihr erstes Geschäft und gleich gegenüber ihr Atelier. Ralf Hensellek, aufgewachsen im Schleswig-Holsteinischen Neumünster, lernte das Handwerk des Modedesigners am Berufsbildungszentrum des Berliner Lette-Vereins. Thomas Mrozek zog es von Gelsenkirchen nach Berlin, um an der Freien Universität Germanistik und Anglistik zu studieren. Nebenbei kümmerte er sich um Kostüme und Make-up für die erste englischsprachige Theatergruppe Berlins. „Guter Style hat mich schon immer interessiert“, sagt Mrozek, der sich nach und nach ins Modegeschäft einarbeitete. Hensellek wollte sich nach einem Jahr bei einer Modefirma selbstständig machen. „Hundert Mal die gleiche Bluse nähen, das war nichts für mich“, sagt der 46-Jährige. Beide lernten sich auf einer Party kennen, suchten einem griffigen internationalen Namen und gründeten zusammen ihr eigenes Unternehmen. „Berlin wurde damals als Modestandort nicht ernst genommen, hier konnte man sich ausprobieren, aber kein Geld verdienen“, berichtet der Modedesigner. Ein Jahr später präsentierten sie ihre Kreationen auf der Pariser Nachwuchsmodemesse „Who is next“, wo sie ihre ersten Kunden aus Japan begeisterten.

Anfangs entwarfen und nähten die beiden Unternehmer selbst etwa 50 Röcke, Kleider, Oberteile und arbeiteten sich in Zollbestimmungen und Produktionsabläufe ein. „Immer wenn es ein Problem gab, haben wir dazugelernt“, sagt Hensellek. Im Jahr 2001 gewannen sie weitere internationale Kunden auf einer der großen Pariser Modemessen. Da wussten die Macher, dass ihr Produkt interessant und verkäuflich ist. Ein Jahr später eröffneten sie ihren zweiten Laden in den Hackeschen Höfen. Die Berliner Modeevents, die Messe Bread & Butter sowie die Berliner Fashion Week sehen die Inhaber von Thatchers eher als Gelegenheit, sich zu präsentieren, aber weniger, um Kunden zu gewinnen. „Einmal im Jahr machen wir unabhängig davon eine eigene größere Show, da können wir einladen, wen wir wollen“, erklärt Hensellek, der es wie sein Partner individuell liebt. Beide beschäftigen zehn Mitarbeiter und lassen ihre Kollektionen in Schneidereien in Berlin und Brandenburg fertigen. Regelmäßig statten sie Miss IFA für das Plakat zur Internationalen Funkausstellung mit ihrer Mode aus und auch in Spiel- oder Werbefilmen ist ihre Mode hin und wieder zu sehen. Eine Einladung der deutschen Botschaft führte die Modemacher nach Peking. Dort zeigten sie ihre Kreationen, machten eine Ausstellung und arbeiteten mit chinesischen Modestudenten zusammen.

Neu eröffnen wollen die Macher von Thatchers einen Laden für Stücke aus der letzten Saison. Auch ein drittes Geschäft für aktuelle Kreationen ist im Gespräch. „Eine gute Ecke zu finden ist schwierig, irgendwo in Prenzlauer Berg reicht nicht“, sagt Hensellek. Entscheidend sei, dass es viel Laufpublikum gebe. Lassen sich die Modemacher vom Berliner Straßenleben inspirieren, hat Atelierkatze Gucci alles im Blick. In der kommenden kalten Jahreszeit setzen die Modemacher auf Lila, Grau und Schwarz, Stoffe mit Struktur, dezenten Ornamenten und Metallfasern. Ihrer klaren Linie bleiben sie treu.

www.thatchers.de

In diesem Jahr verzeichnen wir eine Umsatzsteigerung von 20 Prozent, das ist zwar weniger, aber lange kein Rückschritt. Berlin wurde lange als Modestandort nicht ernst genommen, hier konnte man sich ausprobieren, aber kein Geld verdienen. Das ist jetzt anders.“

Thomas Mrozek und Ralf Hensellek, Macher des Labels Thatcher

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