Zeitung Heute : Etiketten: Was drin sein darf

Über 100 verschiedene Öko-Etiketten stiften Verwirrung. Kaum einer weiß, was sich hinter den Öko-Siegeln versteckt. Hier einige Beispiele:

"Öko-Tex Standard 100" ist das verbreitetste Siegel. Ökologisch unbedenklich wie die Vorsilbe suggeriert, sind die Produkte nicht. Geprüft wird nur das Endprodukt. Der Standard garantiert Verbrauchern, dass sich in dem Produkt keine allergie- oder krebsauslösenden Farbstoffe befinden. In der Kleidung noch vorhandene Schwermetalle müssen schwitzfest sein. Auch für aromatische Kohlenwasserstoffe, Formaldehyd, Pestizide sind Grenzwerte festgelegt. Starkes "Ausbluten" von Farbe wird für das Siegel prinzipiell nicht toleriert: Für Wasser-, Schweiß- und Reibechtheiten gelten Mindestanforderungen.

Euro-Blume: Bei ihr hängt die Messlatte etwas tiefer. Da aber auch die Fertigung überprüft wird, fördert die Blume umweltverträglichere Massenproduktion. Alle Fasern sind bei diesem Siegel erlaubt. Auch allergieauslösende Dispersionsfarben dürfen eingesetzt werden, sofern sie nur fest genug an die Faser gebunden sind. Krebserregende Azo-Farben dagegen schließt auch die Euro-Blume kategorisch aus.

Naturtextil- "Better" und "Best": Zwei Label, die der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft vergibt. Zwei unabhängige Institute prüfen nach strengen ökologischen, aber auch sozialen Kriterien den gesamten Herstellungsprozess: von der Rohwolle bis hin zum fertigen Textil. Großen Wert legen die Prüfer auch auf Langlebigkeit und problemlose Entsorgung der Kleidung. Für "Best" dürfen nur Naturfasern aus kontrolliertem Anbau bzw. artgerechter Tierhaltung verwendet werden. Bio-Baumwolle ist auch für "Better" Pflicht, ansonsten genügen für das Zertifikat konventionelle Naturfasern mit strengen Pestizidkontrollen. Chemiefasern sind verpönt, ganz ohne sie geht es noch nicht: Damit Spitzen- oder Hosenbündchen nicht schlabbern, wird Elasthan eingearbeit. Für die eingeschränkte Farbpalette kommen nur unbedenkliche synthetische und Naturfarbstoffe in Frage. Für "Best" gilt strenge Schwermetallabstinenz. "Better" erlaubt Ausnahmen: ein Quäntchen Kupfer bei Blau-, Grün- und Türkistönen und Metallkomplexfarbstoffe für die Seidenfärberei.

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