Zeitung Heute : Euro In Der Krise?

HEIK AFHELDT

Wer in der Schweiz beim Umgraben im Garten auf eine alte Frankenmünze stößt, kann damit in die nächste Wirtschaft gehen und einen Kaffee zahlen. So stabil ist der Schweizerfranken seit mehr als hundert Jahren. So sollte es auch mit dem Euro werden, aber er liegt schon am Boden - nicht wirklich, aber in seinem Wert gegenüber dem Dollar -, bevor er überhaupt richtig in Umlauf ist. In der vergangenen Woche hat der Euro zwar die Parität zum Dollar, ein Euro gleich einem Dollar, noch nicht ereicht, aber er hat die Kurve nur haarscharf bekommen. Manche fürchten nun, diese magische Grenze würde bald fallen und dann käme der freie Fall des Euro. Ganz und gar unwahrscheinlich. Quer durch die internationale Szene der Devisenhändler und Währungsexperten gilt die neue Währung von Euroland trotz aller Probleme als Zukunftswert - egal ob seine Zukunft unter oder über der psychologischen Linie von 1 :1 zum Dollar startet. Warum?Die momentane Schwäche des Euro ist auch eine Folge der Stärke des Dollar. Die amerikanische Konjukturlokomotive fährt nun schon seit Jahren deutlich schneller. Das Wachstum dort scheint auch durch die steigenden Zinsen der letzten Wochen nicht wirklich gebremst. Die wachsende Zinsdifferenz zwischen Anlagen in Dollar und in Euro zieht weiterhin internationales Geld nach Amerika. Aber die Dollarkurse wachsen nicht in den Himmel. Weitere Zinssteigerungen werden in diesem August oder September erwartet. Die amerikanischen Aktienkurse gelten als überreizt, das wachsende Handelsbilanzdefizit und die überbordende Konsumlust zu Lasten des Sparens sind mehr als Schönheitsflecken auf dem scheinbar makellosem Bild des amerikanischen Wirtschaftswunders.Der aktuelle Schwächeanfall des Euro ist aber vor allem Ausdruck von hausgemachten Problemen in Europa selbst. Die europäische Wirtschaft kommt nur stockend in Gang. Deutschland ist dafür ein gutes schlechtes Beispiel. Trotz aller Beteuerungen, wie wichtig der Regierung Schröder Wachstum und steigende Beschäftigung seien, bis zur Sparübung Eichel haben die vielen rast- und ratlosen Aktivitäten nur Verunsicherung gebracht, hier im Lande und im Ausland. Wenn die deutsche Wirtschaft, die stärkste im Lande des Euro, nicht richtig Tritt fassen kann, dann wächst eben kein rechtes Vertrauen in das neue Europa-Geld. Schlimm, wenn außerdem die Italiener ihre Stabilitätsversprechen nicht einlösen können und auch Frankreich durch Gerüchte über Haushaltsprobleme und angebliche unsittliche Anliegen, die Kriterien des Stabilitätspaktes aufzuweichen, den Eurozweiflern neue Nahrung geben. Frankreichs Finanzminister Strauss-Kahn hat das nun brav dementiert. Aber mit einem Dementi sind die Probleme nicht vom Tisch. Wenn die Zinsen in Europa weiter so steigen wie in den letzten Wochen, dann kommen neben Italien und Frankreich auch weitere Länder mit hoher Staatsverschuldung und großen Haushaltsdefiziten in arge Nöte, Belgien zum Beispiel oder auch Deutschland. Noch ist Eichels Sparpaket nicht unter Dach und Fach. Heißt das nun doch einen noch schwächeren Euro?Nein, nicht wenn die Verantwortlichen in der Politik die Zeichen auf den Tafeln der Devisenhändler richtig lesen und entsprechend handeln. Die Kursschwankungen an den Devisenmärkten zeigen unerbittlich Schwächen und Stärken in einzelnen Ländern an. Weil freie Devisenkurse genau das tun, wollten ja viele die europäische Einheitswährung - noch - nicht. Das Geld ist nicht schuld an einer schlechten Politik. Deshalb macht es auch keinen Sinn, die Nadel am Barometer festzuhalten, um gutes Wetter zu versprechen. Gutes Wetter genießen können dieses Jahr aber erstmals alle, die nun innerhalb von Euroland reisen, ohne lästigen Umtausch und zu festen, transparenten Preisen, mit Euros auf ihren Konten, die so wenig von Inflation und Geldentwertung gefährdet sind, wie es nicht einmal die gute alte DMark zu ihren besten Zeiten war. Im nächsten Jahr kann man dann auch wieder billiger nach Großbritannien und in die USA reisen. Bis dahin, so die Weissagungen des Chefökonomen der Deutschen Bank und anderer Währungsweiser, wird der Euro wieder 1,10 oder 1,15 Dollar kosten. Manche Anleger riechen das heute schon.

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