Europa im Vergleich : Die Sorgen der Deutschen

Sorgen, um was man sich alles sorgt den lieben, langen Tag. Der Mann, der Mittfünfziger, sorgt sich schon lange nicht mehr um seine Geheimratsecken, die sind nun mal weitläufig. Der Mann hat ganz andere Sorgen. „Mach dir keine Sorgen“, sagt die Kollegin, die Fastfünfzigerin, „dir fällt schon was ein.“ Aber gewiss, den Deutschen fällt beim Thema Sorgen ohnehin viel ein. Mal sorgen sie sich um den Wald, dann um die Luft, um Mülltrennung und Krötenwanderung. Der Mann, der eingangs erwähnte, zum Beispiel, macht mit dem Fahrrad (Sorge um die Luft) immer einen Riesenbogen um wandernde Kröten (Sorge vor einem Sturz), trägt aber keinen Helm, so weit geht die Sorge dann doch nicht. Es gibt genug andere Sorgen. Die Deutschen, ganz allgemein, machen sich zusammen mit den Franzosen mehr Sorgen als alle anderen Europäer. Das geht mal wieder aus der Studie „Challenges of Europe“ hervor, die der Nürnberger GfK Verein gerade publiziert hat. GfK, das ist die Gesellschaft für Konsumforschung. Für die Studie werden jährlich 13 300 Verbraucher in Europa befragt, in diesem Jahr erstmals auch Verbraucher aus Griechenland.

Dem Mann, dem Freund des Fußballs, machen die Griechen tatsächlich auch ein wenig Sorgen. Man sollte sie nicht unterschätzen. Aber dass die Griechen ihrerseits weniger Sorgen haben als wir Deutschen, erstaunlich.

Die deutschen Befragten gaben im Durchschnitt 2,6 Probleme an, die sie plagten, die Griechen nur 2,4. Die Schweden sind übrigens die sorgenfreiste Nation, die haben nur 1,1 Probleme, wahrscheinlich ist das eine ihre Fußball-Nationalmannschaft und das nullkommaeinte die Verfilmung ihrer Krimiautoren. Man muss allerdings zur Ehrenrettung der Deutschen sagen, dass wir uns schon mal viel mehr Sorgen gemacht haben. Im Vorjahr zum Beispiel hatten wir 3,7 Probleme, da kam eben noch die Sorge um Fukushima hinzu, die ist jetzt wieder hinfällig. Jetzt ist unsere größte Sorge die um den Arbeitsplatz. Möglicherweise geht es uns in Deutschland so viel besser als unseren europäischen Mitbürgern, gerade weil wir uns so viel Sorgen machen. Möglicherweise würden wir sogar krank, wenn wir sorgloser leben würden. Also hübsch weiter sorgen. Der Mann, der Mittfünfziger, sorgt sich gerade um den Himmel. Da hat sich nämlich eine Wolke gebildet, und nun sorgt er sich, dass der Biergartenbesuch ins Wasser fallen könnte. Weil: Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör. Helmut Schümann

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar