Europa-Parlament : Hunde denken auch nicht nur ans Fressen

Helmut Schümann

Das Europäische Parlament will Sex und sexistische Anspielungen in der Werbung verbieten. Ein löblicher Vorstoß, wenngleich er die Werber für zum Beispiel Parfüms vor eine große Herausforderung stellt. Die Werberinnen natürlich auch. Das Europäische Parlament möchte grundsätzlich gegen klischeehafte Bilder vorgehen, in der Werbung, in Lehrbüchern, Videos, Computerspielen, dem Internet. Es wird sehr eng werden in der Werbung, insbesondere im Fernsehen. Das nahezu komplette Vorabendprogramm fällt dann weg, auch die Lindenstraße, weil das Vorabendprogramm praktisch nur aus Klischees besteht, inklusive Mutter Beimer. Die Werbung sowieso. Wenn zum Beispiel ein paar Nationalspieler um ihre Nuss-Nougatcreme hocken und dabei nicht gerade als Denksportler dargestellt werden, dann entspricht das doch dem längst widerlegten Klischee, dass Fußballspieler einfältig sind. Oder die Mutter und Ehefrau, die ihren Lieben etwas Zauberhaftes aus der Tüte kocht. Weg damit, das diskriminiert zum einen die Hausfrau und darüberhinaus auch die Tütensuppe.

Dem Mann geht es aber nicht besser. Der wird klischeehaft dargestellt, als schraube er den lieben langen Tag nur an seinem Auto rum, fühle sich anschließend wie ein König, und zische abschließend ein Bier, gerade so, als habe er nur Autos und Saufen im Kopf. Stimmt doch gar nicht. Es ergeht dem Mann in diesen nun bald verbotenen Werbespots ähnlich wie dem Hund. Der hetzt in der Werbung durch Wald und Flur, stets mit hängenden Lefzen und sabbernd auf der Suche nach dem nächsten Frolic-Napf. Dabei weiß doch jeder Hundebesitzer, dass so ein Hund in Wahrheit viel mehr zu bieten hat, als nur einen hungrigen Magen, Liebe zum Beispiel, Treue, Aufmerksamkeit. Aber in der Werbung werden nur die Klischees bedient. Auch Paul Pott, der derzeitige Star der Werbebranche, wird doch, vor dem Happy End, zunächst auch in diskriminierender und die menschliche Würde verletzender Weise vorgeführt. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben, auch wenn die Geschichte Paul Potts der Wirklichkeit entstammt.

Wie auch kochende Hausfrauen, bastelnde Männer, trinkende Männer, Tütensaucen, Podolskis und hungrige Hunde in der Wirklichkeit nicht nur klischeehaft vorkommen. Man kann sagen, dass Europäische Parlament plant, alles auszublenden, was es gibt, die Wirklichkeit eben. Helmut Schümann

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