Zeitung Heute : Europas wichtiges Sorgenkind

Griechenland könnte für die EU zum finanziellen Problem werden. Aber das Land spielt in der Europäischen Union aucheine wichtige Rolle. Welche?

Albrecht Meier

Griechenland trat im Zuge der „Süderweiterung“ im Jahr 1981 der damaligen Europäischen Gemeinschaft bei. In zahlreichen europäischen Mitgliedstaaten wurde damals die Befürchtung laut, dass sich die Gemeinschaft mit dem Beitritt Athens wegen des schwierigen Verhältnisses zwischen Griechenland und der Türkei einen Unruheherd ins Haus holt. Umso überraschender war es, dass sich Athen zu Beginn dieses Jahrzehnts für die Aufnahme von EU-Beitrittsgesprächen mit der Türkei einsetzte. So warnte der damalige griechische Außenminister und heutige Regierungschef Giorgos Papandreou Ende 2002 davor, „neue Grenzen und Mauern in Europa“ zu errichten – ein Hinweis auf den Wunsch Griechenlands, die Türkei an die Europäische Union zu binden.

Die versöhnlichen Worte aus Athen waren eine Folge der „Erdbebendiplomatie“ des damaligen griechischen Außenministers Papandreou und seines türkischen Amtskollegen Ismail Cem. Im Sommer 1999 hatten verheerende Erdbeben Griechenland und die Türkei heimgesucht. Die Katastrophe löste in beiden Ländern eine Welle der gegenseitigen Hilfsbereitschaft aus – ein Grund für die beiden Außenminister, eine diplomatische Annäherung zu suchen. So war es ein logischer Schritt, dass die Türkei mit Billigung Griechenlands 2005 Aufnahmegespräche mit der EU aufnahm.

Dennoch ist klar, dass die Europäische Gemeinschaft Anfang der achtziger Jahre ein problematisches Mitglied aufnahm. Noch im vergangenen November kam der Jahresbericht der Organisation Transparency International zu dem Ergebnis, dass Griechenland neben Bulgarien und Rumänien zu den korruptesten Staaten in der EU gehört. Allerdings verfügt die EU im Fall Griechenlands, anders als bei den beiden Neumitgliedern Rumänien und Bulgarien, über keine Sanktionsmöglichkeiten. Zu den Brüsseler Sorgenkindern gehört Griechenland auch deshalb, weil es wegen eines Namensstreits den Weg Mazedoniens in die EU blockiert. Athen will nicht hinnehmen, dass der Balkanstaat denselben Namen trägt wie eine nordgriechische Provinz. Auch der Regierungswechsel in Griechenland im vergangenen Oktober hat an dieser Haltung nichts geändert. So hofft Mazedonien deswegen weiter vergebens auf einen Termin für den Beginn formeller EU-Beitrittsgespräche.

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