Zeitung Heute : Europol deckt weltweiten Wettskandal auf

Bis zu 700 Fußballspiele

von Kartell in Singapur manipuliert.

Bisher 50 Personen festgenommen

Berlin - Die europäische Polizeibehörde Europol hat weltweite Manipulationen von Fußballspielen in bisher nicht gekanntem Ausmaß ermittelt. Mindestens 380 Spiele seien zwischen 2008 und 2011 manipuliert worden, 300 weitere Begegnungen werden noch untersucht, teilte Europol in Den Haag mit. An den Ermittlungen waren 13 Länder beteiligt. „Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball. Für uns steht fest, dass es sich um den größten Fall aller Zeiten in diesem Bereich handelt. Die Manipulationen haben einen Stand erreicht, wie wir ihn noch nie hatten“, sagte Europol-Direktor Rob Wainwright.

Erstmals nahmen die Ermittler auch die Hintermänner der Wettmanipulationen in Asien ins Visier, wo die weltweit umsatzstärksten Wettanbieter sitzen und das Glücksspiel teilweise kaum staatlicher Kontrolle unterliegt. Wainwright sprach von einem „Wettkartell mit Sitz in Singapur“ und erklärte: „Das ist das erste Mal, dass wir substanzielle Beweise dafür haben, dass die organisierte Kriminalität nun auch in der Welt des Fußballs agiert.“

Von den verschobenen Fußballspielen fanden 70 in Deutschland statt, ein Großteil ist allerdings schon bekannt und im Rahmen von Prozessen vor dem Landgericht Bochum verhandelt worden, es waren vor allem Partien aus der vierten Liga. Spiele der Bundesliga sollen nicht betroffen sein. Die knapp 700 Spiele, mit denen sich die Ermittler derzeit beschäftigen, fanden in 30 Ländern statt. Dazu zählen auch WM-Qualifikationsspiele und zwei Begegnungen in der Champions League, eine davon aus England. Namen von beteiligten Klubs und Spielern nannte Europol nicht. Europol sprach bei den 300 noch zu untersuchenden Spielen von Begegnungen in Afrika, Mittelamerika und Südamerika, aber auch Spanien, Großbritannien und Holland. Darunter befänden sich zwei WM-Qualifikationsspiele in Afrika und eines in Mittelamerika. Insgesamt hat Europol 425 verdächtige Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre ausgemacht, 151 von ihnen sind mit ihrem Wohnsitz in Deutschland gemeldet. Bisher kam es zu 50 Festnahmen.

Die Hintermänner sollen zusammen zwei Millionen Euro an Bestechungsgeld gezahlt und acht Millionen Euro Gewinn gemacht haben, für einzelne Spiele setzten sie bis zu 100 000 Euro an Bestechungsgeld ein. Hauptkommissar Friedhelm Althans, der in Bochum die Ermittlungen geleitet hatte, sagte: „Das Problem wird immer größer, weil immer mehr kriminell veranlagte Leute erkennen, dass sie mit geringem Risiko viel Geld verdienen können. Es gibt mittlerweile Täter, die wechseln vom Drogenhandel zu den Manipulationen.“

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