Zeitung Heute : Event-Agenturen: Mal zum Feiern ins Museum

Harald Olkus

Je ungewöhnlicher, desto besser, lautet die Devise bei den Event-Agenturen in Berlin. Das gilt nicht nur für Ausstattung und Programm, sondern auch für die Location. "Das Opernpalais Unter den Linden hat jeder schon 100 Mal gesehen. Das zieht nicht mehr", sagt Katja Mentzel, Projektleiterin bei der Agentur AVB Eventdesign. Besser ist da eine alte Fabrikhalle, die mit Licht und Dekoration zur Party-Location aufgepeppt wird. "Die kann noch so oll und hässlich sein. Die Leute stehen trotzdem in ihrer Abendgarderobe herum und freuen sich."

Immer wieder gern genommen werden das Stadthaus in der Leipziger Straße, die Osram Höfe in Wedding oder der Hangar auf dem Flughafen Tempelhof. Die Reinbeckhallen in Oberschöneweide seien "Halle pur", die zudem noch einen anderen Vorzug haben: Sie liegen direkt am Wasser. Wer es etwas weniger schrill haben will, der mietet das Museum für Kommunikation, den Hamburger Bahnhof oder die Messehallen unterm Funkturm.

Damit die Locations nicht ausgehen und die Event-Agenturen immer wieder "den Wunsch des noch nicht da gewesenen" erfüllen können, gibt es Dienstleister wie die "Cineloc". Michael Kaufmann und sein Partner Lutz Zeidler haben über 50 Event-Locations in ihrer Datenbank und sind immer auf der Suche nach neuen Orten. Wie man dem Firmennamen unschwer entnehmen kann, haben die beiden als Location Scouts für die Film- und Fernsehbranche angefangen. Doch seit die Zahl der Events und Firmenveranstaltungen in der Stadt sprungartig zugenommen hat, sind sie vermehrt auf der Jagd nach Hallen und Veranstaltungsorten.

Eine Weile lang war der Dresdner Bahnhof ihr großer Renner. "Doch jetzt zieht es die Post dort wieder vor, Pakete zu stapeln", sagt Lutz Zeidler kopfschüttelnd. Dabei kann die Zwischennutzung einer leerstehenden Immobilie zu einem einträglichen Geschäft werden: bis zu 400 000 Mark im Jahr kann der Eigentümer damit verdienen. Das haben auch Makler und Immobiliengesellschaften erkannt. Sie bieten den Location Scouts ihre leer stehenden oder noch unfertigen Immobilien zur Zwischennutzung an. Und so wird auf Baustellen gefeiert und präsentiert, in Rohbauten, in Kellergewölben, Fabriken, Werften, Stellwerken und Grunewaldvillen.

Die "Raboma-Halle" in Tegel ist der neue Favorit von "Cineloc". Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Panzerketten montiert, danach Bohrmaschinen. Vorteil der denkmalgeschützten Halle mit den großen Oberlichtern: Sie ist frei stehend, es gibt keinen Ärger mit den Nachbarn wegen der Lautstärke und sie lässt sich gut mit dem Lkw anfahren. Nachteil: Sie liegt nicht in Mitte. Doch für einen Großteil der Veranstaltungen sei auch das selten ein Problem, sagt Zeidler. Die Gäste würden ohnehin immer häufiger mit Shuttles gebracht.

Michael Kaufmann hat aber auch keinen Mangel an schrillen Orten in der City. Unter den Linden gibt es zum Beispiel das ehemalige Propagandazentrum der Nordkoreanischen Botschaft - oder wer es partout modern und repräsentativ haben will: das Atrium im Zollernhof. Die "Cineloc" übernimmt dabei nicht nur die Suche nach einer geeigneten Immobilie, sondern sorgt auch für die Sicherheit und die Zusammenarbeit mit den Behörden. Denn Auflagen, wie Umbaugenehmigungen, Feuerwehrzufahrten und Notausgänge sowie die Genehmigungen durch das Denkmalamt müssen eingeholt und eingehalten werden.

Nicht jeder kann, so wie die Multimedia-Agentur Pixelpark beim Börsengang, allein für Umbauten 470 000 Mark ausgeben", sagt Zeidler. Nicht ganz billig dürfte auch die Jahrespräsentation eines Berliner Juweliers gewesen sein, der in einer leer stehenden Grunewaldvilla Räume fluten oder mit Laub füllen, Rollrasen auslegen und Billardtische antransportieren ließ.

Meist wird aber weniger Aufwand veranstaltet. Dann kostet das Event im allgemeinen 25 000 Mark für die Halle plus Ausstattung und Catering. Sollen mehr als 1000 Gäste bewirtet werden, muss der Veranstalter aber auch hier mit über 100 000 Mark rechnen. Immer wieder nachgefragt werden Locations mit weitem Blick. Doch freie Hochhausetagen sind Mangelware. Dafür wird es künftig vermutlich mehr Events am und auf dem Wasser geben: Die Behala (Berliner Hafen- und Lagerhausbetriebe) hat den Location Scouts ihre gesamten Liegenschaften zur Vermarktung angeboten.

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