Zeitung Heute : Event-Reisen: Eben mal zum Opernball

Thomas Struk

Die Aussicht auf eine Stadtrundfahrt und ein paar schöne Bauten allein reicht immer seltener, um Urlauber anzulocken. "Der Reisende ist reifer geworden. Er will etwas Besonderes", sagt der Mainzer Reiseveranstalter Wolf-Rüdiger Uhlig von Poppe & Co. Wenn er Kurzreisen in europäische Metropolen plant, dann nicht wegen schöner Altstädte, sondern wegen eines besonderen Ereignisses - es geht zum Opernball nach Wien oder zum Wimbledon-Finale nach London. Solche "Event-Reisen" gelten als Zugpferd der Tourismusbranche. Allein in Deutschland gibt es nach Angaben der Deutschen Zentrale für Tourismus in Frankfurt am Main jährlich 2,5 Millionen Veranstaltungen vom Stadtfest bis zum internationalen Rockkonzert.

Das Lexikon der Tourismuswirtschaft definiert den Event-Tourismus als "zeitlich gezielt auf ein Ereignis hin veranlasste Reisen wie Teilnahme an Kunst-, Musik-, und Sportveranstaltungen". Hoch im Kurs stehen diese Trips schon seit geraumer Zeit, und noch immer weist dieses Segment Zuwachsraten auf. Bei der Tourismus-Zentrale gelten entsprechende Offerten inzwischen sogar als "touristische Statussymbole". "Mindestens die Hälfte unserer Angebote hat einen Event-Charakter", sagt der Geschäftsführer der Bahn-Tochter Ameropa, Martin Katz.

Auf dem Markt für Kurz-Reisen mit einem sportlichen oder kulturellen Höhepunkt tummeln sich vor allem kleine Veranstalter, die flexibler reagieren können als die Großen der Reise-Branche, wie TUI-Sprecher Robin Zimmermann sagt. "Es ist für uns immer schwierig, wenn Events an Eintrittskarten gebunden sind." Zu Jahresbeginn nahm der Branchengigant TUI den Event-Katalog aus dem Programm. Um auf das besonders lukrative Geschäft mit den gut laufenden Formel Eins-Reisen nicht zu verzichten, kümmert sich nun das Tochterunternehmen Airtours darum.

Keine Probleme, stets an die gewünschten Eintrittskarten zu kommen, hat nach eigenen Angaben der neu gegründete Reisevermarkter Qivive (Bad Homburg). Denn ein großer Teil der Tickets kommt von der Deutschen Entertainment AG ("Stella-Musicals"), einer von drei Gesellschaftern des Unternehmens. Qivive will sich als "erster multimedialer Marktplatz für Freizeit" etablieren und bereitet den Börsengang vor, wie Geschäftsführer Raoul Hille sagt.

Die Eintrittskarten, die von den Event-Veranstaltern angeboten werden, sind grundsätzlich auch privat zu kaufen. Der Einzelkäufer entscheide sich oft aber erst kurz vor einem Ereignis, wenn längst alle Eintrittskarten vergriffen seien, erläutert Geschäftsführer Uhlig von Poppe & Co. Schon kurz nach dem Wiener Opernball im Februar - Eintrittskarte und zwei Übernachtungen kosteten rund 1800 Mark - beginnen deshalb die Planungen für das kommende Jahr samt Kartenorder.

Reise-Experten führen das Wachstum bei den Event-Reisen vor allem auf zwei Entwicklungen zurück: Zum einen auf den Trend zu Kurzreisen - kurze Dritt- und Vierturlaube werden immer beliebter - und zum anderen auf den Drang zu Action und Unterhaltung.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben