Zeitung Heute : Events, Sensationen, Namen - ein Blick zurück nach vorn

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Micky Kwella, 51, Leiter der Berliner "transmediale". Über Sinn und Zukunft des Medienkunstfestivals sprach Eckart Lottmann mit ihm.

Mit der Prämierung der von einer internationalen Jury ausgewählten Arbeiten endet an diesem Wochenende die "transmediale". Ging da jemand hin, neben der Berlinale?

Ja. Wir haben zugelegt in jeder Hinsicht. Schon in den ersten vier Tagen kamen etwa 5 000 Besucher, letztes Jahr waren es 7 000 in zehn Tagen. Wir hatten noch nie so viele Sponsoren und Medienpartner, eine so gute Resonanz in den Medien.

Was sind die Gründe für diese zunehmende Akzeptanz von Medienkunst?

Immer mehr Menschen nutzen das Internet und kommen dadurch auch in die Nähe von Medienkunst. Ich denke, dass unser Prinzip, eine Schiene unserer Veranstaltungen von fachlich hoch qualifizierten Gastkuratoren gestalten zu lassen, Besucher bringt. Gastkuratoren aus der Medienindustrie geraten allerdings schnell in den Verdacht, die Neuen Medien schön zu reden, weil sie in erster Linie ihre Produkte verkaufen wollen. Wir haben relativ wenig Gäste von kommerziellen Firmen. Einige laden wir ein, weil sie an führender Stelle Medientechnologie entwickeln und vermarkten, wir sagen ihnen aber sehr deutlich, dass wir hier keine "Sales Show" machen.

Was waren dieses Mal die bestimmenden Themen?

Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, der Grenzbereich von Dokumentation und Fiktion. Es gab weniger formale oder auch schrille, abgefahrene Videos als letztes Jahr. Skurrile Dokumentationen und surreale Spielfilme haben diesmal das Programm geprägt.

Kann so ein Festival finanziell bestehen?

Unser Etat hat sich mit 600 000 DM, die vom Hauptstadtkulturfonds, dem Kultursenat und dem Media-Programm der Europäischen Union kommen, leicht erhöht. Dazu kommen noch die Sachleistungen der Sponsoren. Ohne die Selbstausbeutung aller Mitarbeiter könnte man allerdings das umfangreiche Programm gar nicht realisieren. Wir bräuchten eigentlich mindestens zwei Millionen DM pro Jahr.

Wo muss die "transmediale" besser werden?

Ein Medienkunstfestival braucht gute Beiträge, es braucht aber auch Events, Namen, die Zuschauer ziehen, Sensationen. Im Bereich der Installationen und Performances gibt es herausragende Künstler, aber deren Honorare liegen sehr hoch. Für Leute wie Bill Viola reicht unser bisheriger Etat nicht.

Sie haben an einem Abend "Highlights aus 13 Jahren transmediale" gezeigt. Was ging Ihnen bei der Auswahl so durch den Kopf?

Dass wir in all diesen Jahren sehr spannende Sachen gezeigt haben, und dass es verdammt bedauerlich ist, dass sie keine größere Verbreitung durch das Fernsehen gefunden haben. Man hat uns Sendeplätze angeboten, aber die Künstler hätten die Ausstrahlungsrechte für ihre Arbeiten umsonst abtreten sollen, und das ging natürlich nicht.

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