Zeitung Heute : Evitas Töchter

Die Frauen der argentinischen Präsidentschaftskandidaten Menem und Kirchner stehlen ihren Männern die Show

Sandra Weiss[Buenos Aires]

So viel zu den Gemeinsamkeiten: Die beiden sind schön, sie schätzen die Macht, ihre Männer wollen Präsident werden, und sie machen den Politikern das Rampenlicht streitig. Doch die eine ist blond, die andere braun, und nur eine wird nach der Stichwahl am 18.Mai Präsidentengattin werden. Cecilia Bolocco de Menem oder Cristina Fernandez de Kirchner. Die Frau von Carlos Menem, Ex-Präsident, Rechter in der Gerechtigkeitspartei, die einst General Perón gegründet hat; oder die Frau von Nestor Kirchner, Provinzgouverneur, links, in derselben Partei. Die Wahlkampfmanager sorgen sich schon länger, weil die Frauen im Fernsehen mittlerweile häufiger zu sehen sind als ihre Männer, sie haben den Frauen deshalb ein „niedrigeres Profil“ nahe gelegt.

Bolocco und Fernandez haben den Mythos „Evita“ wieder aufleben lassen. Die Gattin des ehemaligen Präsidenten Juan Domingo Perón ist in Argentinien seit den 50er Jahren eine Nationalheldin. Ihre Aschenputtel-Karriere von der unehelichen Tochter, die durch Heirat zur mächtigsten Frau des Landes aufstieg und zur Wohltäterin der Armen wurde, hat Schriftsteller, Bühnen- und Filmregisseure inspiriert.

Bolocco, die Blonde, zeigte sich in den letzten Jahren gerne in eleganten Kostümen, trug ihre Haare zum Dutt und herzte bedürftige Schulkinder – genau wie das historische Vorbild. Bolocco ist 37 Jahre alt, war einmal Miss Universum und kann es äußerlich mit Eva Perón aufnehmen – aber sie ist gebürtige Chilenin. Und die Argentinier mögen ihr Nachbarland nicht besonders. Ein Enthüllungsmagazin will Boloccos Vater bereits als Pinochet-Günstling enttarnt haben. Den Chile-Makel wurde sie auch nicht los, als sie sich vor zwei Jahren für ein Magazin auszog und ihre Intimzonen mit einer Pelzstola in den argentinischen Nationalfarben verhüllte.

Fernandez ihrerseits, die Braune, ist das, was „Evita“ auch noch war: die wichtigste Ratgeberin ihres Mannes. Sie ist 50, Mitarbeiter ihres Mannes bescheinigen ihr einen „starken Charakter“, was eine nette Umschreibung für ihre Eigenwilligkeit ist. Das Paar joggt morgens zusammen, sie lesen die gleichen Bücher und gehen abends gemeinsam essen.

Fernandez stand wegen zwielichtiger Immobilien-Geschäfte in der Kritik, trotzdem ist sie in der Provinz genauso beliebt wie ihr Mann. Sollte er die Wahl gewinnen – wie die Umfragen vorhersagen – könnte sie seine Nachfolge als Gouverneurin antreten. Oder weiter Senatorin bleiben und ihrem Mann vom Parlament aus behilflich sein.

Über Boloccos Zukunft hingegen wird heftiger spekuliert. Viele Argentinier glauben, sie habe Menem nur aus Berechnung geheiratet. Ihre Biografin Olga Wornat sagt, Bolocco habe schon als kleines Mädchen Model gespielt und stand gerne im Rampenlicht. Nachdem sie 1987 Miss Universum geworden war, machte sie beim Fernsehen Karriere. Ihre Spezialität: Prominenteninterviews. Sie hatte bereits eine Liaison mit dem damaligen Präsidenten Perus, Alberto Fujimori, hinter sich, als sie 1999 den 35 Jahre älteren Playboy und Ferrarifahrer Carlos Menem kennenlernte, den sie um einen Kopf überragt. Zehn Jahre hatte er da bereits Argentinien regiert, kurz darauf wurde er abgewählt.

Menem ist ein Mann, der gute Anzüge trägt und sich die Wangen straffen ließ. Die Argentinier sahen in ihm lange den Hauptverantwortlichen für den wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Finanzen kollabierten zwei Jahre nach Ende seiner Amtszeit. Da heirateten Menem und Bolocco gerade. Die Flitterwochen verbrachten sie auf dem Bauernhof eines Freundes – unter Hausarrest. Gegen Menem lief ein Verfahren wegen Verdachts auf Waffenschmuggel. Festen Schrittes, immer lächelnd und in die Menge winkend begleitete Bolocco ihn zu Gerichtsterminen und stand auch später bei Auftritten stets als rettende Souffleuse daneben, wenn er ein paar Zahlen vergaß.

„Ich liebe Menem“, sagt sie immer wieder, ihre Ehe sei keine Zweckehe. Frauenzeitschriften zufolge hat sie alles, was der 72 Jahre alte Mann an Frauen lieben soll: Sie sei elegant, verständnisvoll, zärtlich – und sie himmele ihn an. Vor einigen Wochen gab sie bekannt, sie erwarte ein Kind von ihm. Ein Umstand, der die Wahlkampfmanager entzückte, denn er suggeriert in der machistischen Gesellschaft Argentiniens Potenz. Sollte Menem verlieren, schreibt die Zeitung „Pagina/12“, werde der Schleier wohl bald gelüftet: „Ist es wahre Liebe? Wie spannend!“

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