Existenzgründer : Mit Süßem Freundschaft stiften

Die Hälfte der Kunden sind Deutsche: Der Syrer Tamim al-Sakka ist mit seiner „Konditorei Damaskus“ in der Sonnenallee erfolgreich.

Muhamad Abdi
In der Sonnenallee 93 liegt die Bäckerei von Tamim al-Sakka.
In der Sonnenallee 93 liegt die Bäckerei von Tamim al-Sakka.Foto: Hussein Ahmad

Tamim al-Sakkas „Konditorei Damaskus“ ist eines der bekanntesten Süßwarengeschäfte in Berlin. Und das, obwohl es erst im Juni 2016 eröffnet wurde.

Als der 43-jährige Syrer vor zwei Jahren nach Deutschland kam, ahnte er noch nicht, dass er mit der Konditorei die Reise seines Vaters weiterführen würde. Sie begann vor 38 Jahren in Homs.

Täglich morgens um fünf Uhr beginnt al-Sakka, die Teige und Mixturen für seine syrischen Süßigkeiten vorzubereiten. An manchen Tagen produziert er bis zu 100 Kilogramm Zuckergebäck, vor allem, seit es eine große Anzahl an Kunden anzieht – zwischen 70 und 100 sind es pro Tag, sagt al-Sakka. Mehr als die Hälfte davon sind deutsch.

Mit 18 Jahren übernahm er das Geschäft des Vaters in Homs

Al-Sakka entdeckte seine Liebe zum Backen, als er seinen Vater zur Arbeit begleitete. 1979 hatte dieser eine Konditorei in Homs eröffnet. Damals war al-Sakka fünf Jahre alt. Er erinnert sich an die Desserts seines Vaters wie an einen Traum. „Als ich 14 war, habe ich regelmäßig meinem Vater und meinen Brüdern im Geschäft geholfen. Ich habe gelernt, mit den geheimen Rezepten meines Vaters Desserts zuzubereiten und eigene Rezepte zu erfinden. Mit 18 Jahren übernahm ich das Geschäft und die Verantwortung für 30 Mitarbeiter, die Backstube und den Verkauf.“

Die „Konditorei Damaskus“ ist ein Paradies für Schleckermäuler.
Die „Konditorei Damaskus“ ist ein Paradies für Schleckermäuler.Foto: Hussein Ahmad

Die deutschen Kunden stellen viele Fragen

Das Geschäft in Homs war zwar größer, die Zutaten einfacher zu finden, als es jetzt in Berlin der Fall ist. Al-Sakkas Ziel ist es aber, sein Geschäft auch hier auszubauen und in Zukunft noch weitere Konditoreien in Deutschland zu eröffnen. Dabei gibt es ein paar Unterschiede zwischen arabischen und deutschen Kunden. „Deutsche stellen oft viele Fragen über die Süßigkeiten und ihre Unterschiede. Sie wollen etwas über die Zutaten wissen, die Anteile von Zucker und Fett und andere Details“, sagt der Konditor lachend. Natürlich mache es ihm Spaß, diese Fragen fachmännisch zu beantworten, betont er. „Kunden in Homs hingegen kennen die Süßigkeiten bereits. Die Kalorien interessieren sie nicht so sehr“, sagt er lächelnd.

Den Nachbarn Süßigkeiten mitbringen

Zu Beginn seiner Zeit in Deutschland wohnte al-Sakka in einem Dorf in der Nähe von Berlin. Dort seien nicht alle über die Flüchtlingsheime und Migranten glücklich gewesen. Al-Sakka beschloss, sich gemeinsam mit seiner Frau bei den Nachbarn vorzustellen und ihnen einige seiner selbstgemachten Süßigkeiten mitzubringen. So öffneten seine Nachspeisen die Herzen der Nachbarschaft. Dem Konditor und seiner Frau gelang es im Laufe der Zeit, enge Freundschaften zu schließen.

Heute backen in al-Sakkas Konditorei in der Sonnenallee 93 zehn Angestellte. Für die Zukunft wünscht er sich ein größeres Team. Er will mehr Arbeitsplätze schaffen, auch für seine Landsleute. „Es gibt viele Syrer hier, die große Erfahrung in dem Handwerk haben.“ Berufliche Selbstständigkeit ist in Deutschland jedoch nicht einfach. Al-Sakkas Projekt begann mit organisatorischen Herausforderungen. „Ich musste viele Papiere studieren, bevor ich auch nur beginnen konnte zu planen. Mein Deutsch war noch nicht gut genug, um mich selbst über alles zu informieren.“ Al-Sakka stellte schließlich zwei Anwälte ein, die diese Aufgaben übernahmen.

Es war ein Risiko. Würden die Deutschen das zuckrige Süßwerk mögen? Aber Tamim al-Sakka ging das Wagnis ein.
Es war ein Risiko. Würden die Deutschen das zuckrige Süßwerk mögen? Aber Tamim al-Sakka ging das Wagnis ein.Foto: Hussein Ahmad

Die Deutschen mögen das zuckrige Gebäck

Doch nicht alle unterstützten den Syrer. Einige Geflüchtete, die bereits länger in Deutschland leben, meinten, er werde es nicht schaffen, sich mit fremden Süßigkeiten zu etablieren. Den Deutschen sei dieses exotische Gebäck zu zuckrig. „Aber ich beschloss, das Abenteuer zu wagen. Das war zwar riskant, aber besser als den ganzen Tag zu Hause zu sitzen."

Die Gestaltung des Innenraums der Konditorei Damaskus und das orientalische Design stammen von Al-Sakkas Frau. Die Architektin sei seine Inspiration, sagt der Konditor, und sie unterstütze ihn bei all seinen Plänen. Für seine Frau, seine drei Kinder und seinen 18-jährigen Neffen, der sich gerade auf sein Abitur vorbereitet, wünscht sich al-Sakka eine sichere Zukunft. Doch die Konditorei soll vor allem eins: mit Zucker und Butter allen seinen Kunden Freude bringen und viele neue Freundschaften stiften.

Der Autor, 25, hat in Damaskus Medienwissenschaft studiert, bei der Plattform „Amal, Berlin!“ mitgearbeitet und beginnt im Juni 2017 ein Volontariat im Tagesspiegel. Dieser Text entstand im Rahmen des Projekts #jetztschreibenwir von Tagesspiegel und Friedrich-Naumann-Stiftung. Mehr Beiträge von Exiljournalisten finden Sie auf unserer Themenseite.

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