Exoten bei den Paralympics 2018 : Sombreros im Schnee

Bei allen Paralympischen Spielen entdeckt man ein paar Nationalitäten, bei denen man sich fragt: Wie haben die in den Schnee gefunden? Auch dieses Jahr waren ein paar Exoten dabei.

Joanna Bartlett
Ayayayay! Wenn man der einzige Athlet ist, darf man bei der Eröffnungsfeier auch definitiv die Flagge tragen. So auch Arly Velazquez aus Mexiko.
Ayayayay! Wenn man der einzige Athlet ist, darf man bei der Eröffnungsfeier auch definitiv die Flagge tragen. So auch Arly...Thilo Rückeis

Sie sind die Neuen: Nordkorea und Georgien haben zum ersten Mal je zwei Athleten zu den Winter-Paralympics nach Pyeongchang geschickt, auch Tadschikistan hat sein paralympisches Debüt mit einem Langläufer gegeben. Ein Wintersportler aus den Tropen, nach dem man auch in Zukunft Ausschau halten sollte, ist der brasilianische Cristian Ribera. Mit 15 Jahren war er der jüngste Teilnehmer, und mit dem sechsten Platz im Langlauf erbrachte er Brasiliens beste Leistung bei Winterspielen.

Nicht so erfolgreich, aber der wohl facettenreichste unter den Winterathleten aus dem Warmen, ist der 29 Jahre alte Arly Velasquez, aus Mexiko-Stadt. Er ging als einziger Mexikaner an den Start. Dabei ist er nicht nur Monoskifahrer, sondern auch sein eigener Teammanager, Marketingleiter und Logistiker. Sogar seinen Monoski baute sich Velasquez selbst. „Ich bin super flexibel, ich bin Mexikaner, ich kann mich an alles anpassen“, sagt er. Das gilt auch für die Kälte, an die er sich langsam gewöhnt: „Am Anfang war es schrecklich und jetzt ist es einfach nur schlecht!“ Unterstützt wird er bei seinem inzwischen dritten paralympischen Abenteuer von Freunden, einem Assistenten, einem Physiotherapeuten und einem Trainer und Skitechniker. Es war nicht immer so. Es gebe keine Winterkultur in Mexiko und Velasquez erhalte keine Hilfe von einem Nationalen Paralympischen Komitee wie die meisten Athleten anderer Nationen.

Seine Sommer verbringt er in Mexico City beim Handbiken, die Winter beim Skifahren in Park City, Utah, USA. Letztes Jahr trainierte und bestritt er Rennen in ganz Europa – allesamt selbst organisiert. Wie kommt ein Mexikaner zum Skifahren? Velasquez ist seit einem Mountainbike-Unfall querschnittgelähmt. Danach versuchte er, einen neuen Sport zu finden, bis er 2009 in Kanada Ski fuhr: „Ich wusste sofort, dass das etwas für mich war. Ich ging zurück nach Mexiko, verkaufte meine Sachen, verkaufte mein Auto, kaufte einen Lastwagen, fuhr ihn 14 Stunden bis zur Grenze und begann mein Training in Utah.“ Da er nach einem Unfall in Sotschi nicht gleich ins Training einsteigen konnte, ist er mit seinem 17. Platz im Super-G in Pyeongchang zufrieden. „Ich möchte das Team vergrößern. Ich will nicht, dass das alles wegschmilzt, wenn ich in den Ruhestand gehe.“ Noch setzt er sich aber nicht zur Ruhe: Er blickt auf Peking 2022.

Joanna Bartlett, 26 Jahre

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