Zeitung Heute : Exotische Reise-Mitbringsel behält oft der Zoll

Der Tagesspiegel

Ein Elefantenfuß als Schirmständer, ein zur Lampe umgearbeiteter Leopard und ein Aschenbecher mit fünf Köpfen der Krokodilart Kaiman – Berliner und Brandenburger Zöllner bekommen die skurrilsten Reisemitbringsel in die Hände. Nicht selten erwartet Rückkehrer beim Passieren des heimischen Zolls eine böse Überraschung. „Es ist abenteuerlich, was wir teilweise beschlagnahmen müssen“, sagt Axel Werner, Sprecher der Cottbuser Oberfinanzdirektion. Die meisten Touristen seien ahnungslos, aber auch der gewerbsmäßige Schmuggel komme vor.

In Berlin und Brandenburg wurden nach Angaben der Oberfinanzdirektion Cottbus im vergangenen Jahr unter anderem rund 1000 lebende Vögel, 32 lebende Schildkröten sowie 835 Muscheln und Korallen beschlagnahmt. Außerdem fielen den Zöllnern 68 Fechterschnecken und rund 100 geschützte Pflanzen in die Hände. Auch zwei präparierte Großechsen sollten in die Bundesrepublik eingeschmuggelt werden. Wer mit solchen Dingen erwischt wird, muss mit einer Strafe von bis zu 50 000 Euro rechnen.

Weitere Reisemitbringsel, die dem strengen Blick des Zollbeamten nicht standhalten, sind Marken-Plagiate von Uhren, Textilien und – neuerdings – auch Handys. „Wenn das erworbene Teil eindeutig für den privaten Bedarf ist, drücken wir schon einmal ein Auge zu“, sagt OFD- Sprecher Werner. Doch sollte jeder wissen, dass die Qualität der meist für ein Drittel oder die Hälfte des Original-Preises erworbenen Ware häufig zu wünschen übrig lasse.

Wenn die Einfuhr aber in großem Stil erfolgt, dann findet sie vor den Augen der Beamten keine Gnade mehr. So haben die OFD-Zöllner erst kürzlich an Brandenburgs Grenzen 50 000 gefälschte Rollkragenpullover mit dem Markennamen eines bekannten Herstellers abgefangen. Im vergangenen Jahr gab es 135 Aufgriffe bei Textilien, 65 bei Uhren und 10 bei Videokassetten. „Jedes Mal sollte in großem Stil Ware eingeführt werden“, sagt Werner. Unter der OFD-Liste nach „Rechtschutzinhabern“ befinden sich die bekanntesten und teuersten Markennamen. „Es ist erstaunlich, wie schnell neue Markentrends entdeckt und nachgeahmt werden“, sagt Werner. Mehr als die Hälfte der Beschlagnahmungen treffen typische Touristenmitbringsel. Aber auch lebende Tiere, die oftmals aus falsch verstandenem Mitleid auf exotischen Märkten gekauft werden, würden von Behörden eingezogen. Einige der beschlagnahmten Sachen können ersteigert werden – seit wenigen Tagen auch online unter „ www.zoll-d.de“ ;. Dort werden auch Notebooks, Computer, Handys und sogar Autos angeboten. dpa

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