Zeitung Heute : Experiment mit der Zukunft

Hartmut Wewetzer

Die britische Zulassungsbehörde hat eine Lizenz zum Kopieren von menschlichen Emryonen erteilt. Was ändert sich beim Klonen?

Jetzt ist es offiziell. Erstmals in Europa darf eine Gruppe von Wissenschaftlern menschliche Embryonen zu medizinischen Forschungszwecken klonen. Die britische Zulassungsbehörde HFEA erteilte jetzt Wissenschaftlern der Universität Newcastle die Klonerlaubnis. Sie ist zunächst auf ein Jahr befristet.

Die Wissenschaftler wollen nach Informationen der Zeitung „Guardian“ die erfolgreichen Klonversuche südkoreanischer Wissenschaftler wiederholen. Diese hatten im Februar bekannt gegeben, menschliche Embryonen geklont und aus diesen embryonale Stammzellen gewonnen zu haben. Sie verwandten die Methode, die auch beim Klonen des Schafs „Dolly“ benutzt wurde. Dabei wird eine Eizelle entkernt und der Zellkern einer Körperzelle eingesetzt.

Die Forscher in Newcastle wollen Zellkerne von Hautzellen benutzen. Die Eizellen stammen aus einer Klinik für künstliche Befruchtung.

Die Klonmethode ist bisher wenig ergiebig. Shin Yong Moon von der Seoul National University benötigte 242 Eier von 16 Spenderinnen, um 30 Embryonen zu klonen, aus denen schließlich eine einzige lebensfähige Kolonie von Stammzellen gewonnen wurde. Wenn es nicht gelingt, die „Ausbeute“ an Stammzellen drastisch zu verbessern, dürfte das Verfahren keine Zukunft haben. Es ist einfach zu aufwändig.

Die Wissenschaftler wollen keine Menschen klonen, sondern etwa stecknadelkopfgroße Embryonen. Die aus diesen gewonnenen Stammzellen sollen zur Behandlung schwerer Krankheiten wie Diabetes oder Parkinson dienen. Stammzellen sollen krankes oder zerstörtes Gewebe ersetzen. Weil sie aus den Genen des Empfängers gezüchtet wurden, ist keine Abstoßung zu befürchten.

Ob die Hoffnungen sich erfüllen, ist noch fraglich. Sicher ist aber, dass die nun beginnenden englischen Klonexperimente die Technik „alltäglicher“ machen. Je mehr Wissenschaftler das Verfahren erproben, umso mehr wird sich auch die Öffentlichkeit daran gewöhnen.

Wächst damit nicht auch die Gefahr, dass eines Tages tatsächlich ein Mensch geklont wird, ja vielleicht sogar ein „Mensch aus dem Katalog“ möglich wird? „Die Idee, Menschen zu züchten, die zum Beispiel besonders intelligent sind, ist absurd“, wehrt der Stammzellforscher Jürgen Hescheler von der Uni Köln ab. „Aber natürlich kann die Technik des Klonens auch missbraucht werden, genauso wie ein Computer oder andere Entwicklungen. Hier kommt es auf staatliche Kontrolle, nicht auf Verzicht an.“

In Deutschland sind Klonexperimente mit menschlichen Eizellen verboten. Für Hescheler ein Nachteil: „Wir arbeiten fürs Ausland, weil unsere Ergebnisse von den Labors genutzt werden, von denen wir die Zellen haben.“

Noch etwas machen die Experimente deutlich: Ein weltweites Verbot sowohl für das reproduktive Klonen (das „Menschenkopieren“) als auch für das therapeutische Klonen, wie es Deutschland und die USA fordern, wird immer unwahrscheinlicher. „Die Welt hört nicht auf Deutschland“, sagt Hescheler.

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