Zeitung Heute : Experten werfen Koalition Anreize zu Schwarzarbeit vor

Berlin - Die Politik der großen Koalition schafft Anreize zur Schwarzarbeit. Zu dieser Einschätzung kommt jedenfalls eine Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung und des österreichischen Schwarzarbeitforschers Friedrich Schneider. Im Kern geht es dabei um den Zusammenhang von staatlichen Belastungen durch Steuern, Sozialabgaben und Schwarzarbeit. „Sinkende Sozialversicherungsbeiträge mindern den Anreiz zum Ausweichen in die Schattenwirtschaft, weil sich die Schere zwischen Brutto- und Nettoentlohnung ein Stück weit schließt“, heißt es in der Studie. Konkret wird das am Beispiel Rentenversicherung: Den Berechnungen zufolge würde die Schwarzarbeit hierzulande um eine Milliarde Euro sinken, „wenn die Rentenbeiträge von 18,9 auf 18,6 Prozent gesenkt worden wären, wie es der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung entsprochen hätte“. Die schwarz-rote Koalition lässt die Beiträge aber unverändert, weil das Geld für die Finanzierung der Mütterrente und die Einführung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren gebraucht wird.

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro zum 1. Januar 2015 werde der Schwarzarbeit einen weiteren Schub geben, und zwar um 1,2 Milliarden Euro. „Ausweichen in die Schwarzarbeit ist ein Weg, den Mindestlohn zu umgehen“, schreiben die Koalitionskritiker. Weitere Effekte gebe es durch die kalte Progression und höhere Beiträge zur Pflegeversicherung. alf

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