Zeitung Heute : Exzellent platziert!

Die Freie Universität Berlin ist erneut erfolgreich im Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder.

Peter-André Alt

In der Wissenschaft ist es wie im Fußball, eine erfolgreiche Mannschaft plant ihre Spielzüge vorab. Und dennoch: Wer die Zukunft plant, muss mit dem Zufall rechnen. Denn jede Planung künftiger Handlungsperspektiven bleibt von äußeren Faktoren beeinflusst, die man nicht steuern kann. Obwohl das so ist, sollte Planung betrieben werden – das gilt für Individuen wie für Institutionen. Die Freie Universität Berlin hat frühzeitig gelernt, dass es sinnvoll ist, diesem Grundsatz zu folgen. Sie konnte in den vergangenen zehn Jahren beeindruckende Erfolge in der Forschungsentwicklung und der Internationalisierung erzielen, die ohne kluge Planung nicht möglich gewesen wären. Nun wurde ihr – schon zum zweiten Mal – bescheinigt, dass sie herausragende Konzepte zur Bewältigung ihrer künftigen Aufgaben erarbeitet hat. Im Rahmen der Exzellenzinitiative sind wir erneut für unsere institutionelle Strategie, das sogenannte Zukunftskonzept, ausgezeichnet worden. Dieser Erfolg war keineswegs selbstverständlich in einem Wettbewerb, der für viele auch Niederlagen und Enttäuschungen bereithielt. Von den neun Exzellenzuniversitäten der ersten Runde sind immerhin drei ausgeschieden. Umso glücklicher sind wir nun, dass wir unseren Antrag „Veritas – Iustitia – Libertas. Die Internationale Netzwerkuniversität“ in den nächsten fünf Jahren praktisch umsetzen dürfen. Insgesamt erhält die Freie Universität rund 120 Millionen Euro, um ihre Pläne zu verwirklichen – allein ein Drittel der Fördersumme wird dabei in die Fortsetzung unseres Zukunftskonzepts fließen. Was genau ist zu erwarten?

Das Konzept umfasst mehrere Arbeitsfelder. Beibehalten wird das Prinzip der internationalen Vernetzung. Wir werden unsere sieben Verbindungsbüros auf drei Kontinenten fortführen und sie verstärkt für die Gewinnung des wissenschaftlichen Nachwuchses von der Promotionsphase an nutzen. Hinzu kommt als neues Element der Aufbau von strategischen Partnerschaften, die wir mit forschungsstarken Universitäten aller Weltregionen schließen, um Austausch und Nachwuchsförderung gemeinsam zu betreiben.

Am Anfang standen schon im vergangenen Jahr Abkommen mit der Peking-Universität, der Hebräischen Universität in Jerusalem und einem Verbund fünf koreanischer Universitäten. Es werden weitere Verträge folgen, wobei Voraussetzungen für eine Partnerschaft eine gewachsene gemeinsame Tradition der Zusammenarbeit, ein vergleichbares Forschungsprofil und der Wunsch nach strategischer Kooperation sein werden. Weil Internationalisierung der Wissenschaft auch Wahrnehmung moralischer Verantwortung bedeutet, ist die Freie Universität als erste deutsche Hochschule Mitglied im Netzwerk „Scholars at Risk“ geworden. Dieses Netzwerk, das unter anderem der Kulturwissenschaftler Homi Bhabha – Ehrendoktor unserer Universität – aufgebaut hat, unterstützt herausragende Wissenschaftler, die in ihren Heimatländern politischen Repressionen ausgesetzt sind und nicht unabhängig forschen können. Sie werden fortan, gefördert durch Mittel aus unserem Zukunftskonzept, für die Dauer eines Jahres an der Freien Universität unter besten Bedingungen arbeiten und Forschungsprojekte entwickeln.

Das Besondere des neuen Zukunftskonzepts besteht darin, dass es internationale und regionale Vernetzung gleichermaßen fördert. Gemeinsam mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen – vier Max-Planck-Instituten, zwei Helmholtz-Zentren und dem Wissenschaftszentrum im Verbund der Leibniz-Gemeinschaft – verwirklicht die Freie Universität auf dem Campus Dahlem ein übergreifendes Programm für die Nachwuchsförderung, das nach der Promotion ansetzt: Das „Karrierewege-Modell“. Unterstützt werden in dieser Linie zweijährige Postdoc-Projekte, drei Jahre laufende Nachwuchsgruppen und die Einrichtung von Zeitprofessuren.

Zusammen mit den genannten Partnern schaffen wir dichte Netzwerke, die der Absicherung von akademischen Karrieren und dem Austausch zwischen Institutionen dienen. Sämtliche Nachwuchswissenschaftler, die in diesem Programm gefördert werden, sollen einen Teil ihrer Forschungsprojekte an Partneruniversitäten im Ausland betreiben. Sie besuchen außerdem Unterrichtsveranstaltungen, die ihre Lehrqualifizierung verbessern sollen. Gemeinsame Juniorforen dienen dem Gespräch zwischen unterschiedlichen Fachkulturen und befördern die disziplinenübergreifende Zusammenarbeit. Ziel des gesamten Programms ist eine größere Sicherheit bei der Karriereplanung, die nur im Zusammenwirken von Universität und außeruniversitärer Spitzenforschung erreicht werden kann. Und nicht zuletzt wird durch den engeren Verbund mit unseren Partnern die Lehre profitieren. Gemeinsame Berufungen und das verstärkte Engagement junger Wissenschaftler aus externen Einrichtungen sorgen für eine Verbesserung der Betreuungsrelationen, für eine wachsende Vielfalt des Angebots. Wir wollen und werden allen Kritikern zeigen, dass Exzellenz in der Forschung nicht zu Lasten der Lehre geht, sondern im Gegenteil deren Qualität steigert, wenn man kluge Konzepte für eine enge Verzahnung beider Bereiche entwickelt.

Die drei strategischen Zentren der Freien Universität behalten im Rahmen des laufenden Zukunftskonzepts eine wichtige Funktion beim Ausbau von Internationalisierung, bei der Doktorandenförderung und der Forschungsplanung. Auch sie stehen vor neuen Aufgaben: Die Dahlem Research School wird nicht nur für die Betreuung der inzwischen 20 strukturierten Promotionsprogramme der Freien Universität zuständig sein, sondern zugleich den Aufbau eines Weiterbildungsnetzwerks für Doktoranden wie Postdoktoranden – mit Schwerpunkt in der Lehrqualifizierung – betreiben; das Center for International Cooperation organisiert weiterhin die Verbindungsbüros, ist aber zugleich für die strategischen Partnerschaften und die Austauschprogramme innerhalb der Nachwuchsgruppen zuständig; das Center for Research Strategy (ehemals Center for Cluster Development) unterstützt die Etablierung von Nachwuchsgruppen und der Juniorforen. Die Stabsgruppe Internationale Netzwerkuniversität wird auch künftig die Koordination aller Aktivitäten übernehmen. Bis 2017 sollen das Center for International Cooperation und das Center for Research Strategy in die Abteilungen für Internationales und für Forschung integriert werden, wo sie dann im Sinne von Konzeptreferaten zukunftsträchtige Ideen für die strategische Planung der Freien Universität entwickeln.

Die Freie Universität gehört, betrachtet man den im vergangenen Monat veröffentlichten Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu den drei forschungsstärksten Hochschulen Deutschlands. Aus den ihr übertragenen Exzellenzmitteln der ersten Förderrunde hat sie im Vergleich mit den anderen Exzellenzuniversitäten das meiste gemacht: Jeder Euro des Exzellenzbudgets wurde durch die Einwerbung weiterer Drittmittel verdoppelt. In den Geistes- und Sozialwissenschaften steht die Freie Universität deutschlandweit mit großem Abstand auf Platz 1, ihre Lebens- und Naturwissenschaften befinden sich ebenfalls im absoluten Spitzenfeld. Auch international ist sie eine Top-Adresse: Keine andere Hochschule unseres Landes ist attraktiver für ausländische Gastforscher als die Freie Universität, nirgendwo arbeiten mehr DAAD- und Humboldt-Stipendiaten.

Insofern bestätigt der Erfolg in der Exzellenzinitiative, dass wir es geschafft haben: Reputation und Strahlkraft der Freien Universität Berlin sind größer denn je. Ein wenig vergleichbar ist unsere Situation mit der des Bundesligisten Borussia Dortmund. Vor wenigen Jahren noch stand der Verein vor dem wirtschaftlichen und sportlichen Ruin, heute ist er sportlich ganz oben. Wie auch die Freie Universität, die sich trotz massiver Kürzungen ihres Haushaltes und der schwierigen, sogar ihre Existenz bedrohenden Situation in der Nachwendezeit mit großem Engagement an die Spitze der deutschen Hochschullandschaft vorgearbeitet hat.

Grund genug also, sich kurz zurückzulehnen und diesen glücklichen Moment entspannt zu genießen. Die Freie Universität Berlin und ihre hoch engagierten Mitglieder, die seit Jahren Dauerleistungen erbringen, haben es sich verdient.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin.

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