Exzellenzinitiative : Lehren für die Zukunft

Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft haben empfohlen, die bis 2011 befristete Exzellenzinitiative für die deutschen Hochschulen fortzusetzen. Wie könnte eine Fortsetzung aussehen?

Uwe Schlicht

Der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wollen die Exzellenzinitiative fortsetzen und fordern dafür eine finanzielle Aufstockung auf 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro. Bisher war die Exzellenzinitiative nach ihrem Start im Jahr 2005 von Bund und Ländern mit 1,9 Milliarden Euro finanziert worden. Die ersten beiden Runden der Exzellenzinitiative laufen im Jahr 2010 und 2011 aus. Die Erhöhung um 30 Prozent wird damit begründet, dass allein zehn Prozent für Kostensteigerungen und Tariferhöhungen benötigt werden.

In den ersten beiden Runden sind 39 Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, 37 Exzellenzcluster in der Forschung und neun Zukunftskonzepte gefördert worden. Der Wettbewerb wurde von Wissenschaftsrat und DFG durchgeführt. Am erfolgreichsten waren dabei die Länder im Süden, während die Universitäten in Ostdeutschland ausgesprochen schlecht abschnitten. Sie erhielten nur drei Graduiertenschulen und einen Cluster. Auch künftig soll es im Exzellenz- oder Elitewettbewerb nach Ansicht von DFG-Präsident Matthias Kleiner keine Regionalförderung Ost geben. Aber die Förderbedingungen werden sich ändern. Damit könnten neue Chancen für die Hochschulen im Osten entstehen.

Grundsätzlich bleiben die drei Förderlinien erhalten. Aber wenn eine Universität die Weiterförderung einer Graduiertenschule oder eines Clusters beantragt und vor den Gutachtern nicht besteht, dann läuft die Förderung innerhalb von drei Jahren aus. Wird dagegen das Vorhaben verlängert, soll die Förderung zurückgefahren werden. Das kann man dadurch erreichen, dass nicht mehr wie bisher der Bund 75 Prozent und das Sitzland 25 Prozent der Kosten trägt, sondern Bund und Länder jeweils 50 Prozent aufbringen.

Auch in der Förderhöhe soll sich einiges ändern: Für die Graduiertenschulen wird eine Bandbreite von 1,0 Million bis 2,5 Millionen vorgeschlagen. Für die Forschungscluster ist eine Bandbreite von 4 bis 8 Millionen Euro im Gespräch (bisher waren es 6,5 Millionen). Die gravierendsten Änderungen wird es in der dritten Förderlinie bei den sogenannten Zukunftskonzepten geben. Die aus dem Exzellenzwettbewerb hervorgehenden Eliteuniversitäten müssen künftig mit einer Bandbreite von 8 bis 16 Millionen Euro vorliebnehmen. Außerdem werden die Bedingungen für die Bewerbung um den Elitestatus gelockert: Bisher musste jede Spitzenuniversität mindestens eine Graduiertenschule und einen Exzellenzcluster eingeworben haben. Künftig soll auch eine herausragende Zahl von Sonderforschungsbereichen für den Elitestatus ausreichen. Neu ist die Forderung nach innovativen Konzepten für eine bessere Lehre, die im Wettbewerb von den Spitzenuniversitäten verlangt wird.

Die Vorschläge der Spitzenorganisationen der Wissenschaft sollen die Grundlage für eine Entscheidung der Wissenschaftsminister von Bund und Ländern im November bilden. Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft sind sich einig, dass die Stärkung der Forschung über die Exzellenzinitiative nicht gegen die gerade vom Wissenschaftsrat geforderte Verbesserung der Lehre oder gegen den Aufbau neuer Studienplätze für die doppelten Abiturientenjahrgänge ausgespielt werden darf. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, betonte, das deutsche Hochschulsystem sei seit Jahrzehnten unterfinanziert. Die drei zentralen Aufgaben seien gleich wichtig und kein Schwerpunkt dürfe auf Kosten des anderen bevorzugt werden.

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft schloss sich dieser Einschätzung an und betonte, es handle sich hier allein um eine Frage der Prioritäten. Wenn die Politiker in Bund und Ländern 80 Milliarden Euro für die Sanierung der Landesbanken aufgebracht hätten, dann müssten sie jetzt auch durch eine bessere Finanzausstattung dafür sorgen, dass die Hochschulen in Forschung und Lehre auf internationalen Stand gebracht werden.

Wenn man diese Forderungen auf die mittelfristige Finanzplanung für die Jahre 2011 bis 2015 hochrechnet, dann müssten für die Exzellenzinitiative 2,3 bis nahezu 2,5 Milliarden Euro aufgebracht werden. Die Verbesserung der Lehre und eine intensivere Betreuung der Bachelor- und Masterstudenten kostet 5,5 Milliarden Euro, und die Schaffung neuer Studienplätze für die starken Jahrgänge der Schulabgänger ist auch nicht unter fünf Milliarden Euro zu finanzieren.

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