Zeitung Heute : EZB macht das Geld historisch billig

Währungshüter stemmen sich gegen die Krise / Kredite bleiben günstig, Sparer zahlen oftmals drauf.

Die europäischen Währungshüter verschärfen den Kampf gegen die Krise. Angesichts der auf 1,2 Prozent gesunkenen Inflationsrate in der Euro-Zone haben sie den Leitzins um 0,25 auf nur noch 0,5 Prozent gesenkt und damit so tief gedrückt wie nie zuvor. Nun können sich Banken und Sparkassen noch günstiger als bislang bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld beschaffen. Das soll dazu führen, dass wieder mehr Kredite vergeben und damit der Konjunktur Impulse verliehen werden. Verbraucher können jetzt mit noch günstigeren Krediten rechnen, dafür allerdings gibt es für Sparanlagen noch weniger.

Mit den Sparzinsen dürfte es schon in den nächsten Tagen weiter nach unten gehen. Zwar liegt auch die Inflationsrate aktuell nur bei 1,2 Prozent. Aber mit Sparanlagen ist dieses Niveau kaum zu erreichen. Mit Geld auf dem Sparbuch, Festgeld- oder Tagesgeldkonto verliert der Anleger real einen Teil seiner Geldanlage. Aktuell bringt Tagesgeld im Schnitt nicht einmal ein Prozent, bei Festgeld wie Sparbriefen für ein Jahr ist es ebenfalls nicht einmal ein Prozent. Der Zins auf das klassische Sparkonto ist mit weniger als 0,5 Prozent noch dürftiger. Bei Tagesgeldanbietern, die mehr als ein Prozent offerieren, gibt es meist einen oder mehrere Haken: Die Laufzeit des höheren Zinses ist begrenzt, er ist an die Eröffnung eines Girokontos oder Depots geknüpft, oder er gilt nur für einen bestimmten Betrag. Bauherren und Käufer von Eigentumswohnungen können noch weit bis ins nächste Jahr hinein von den historisch niedrigen Zinsen für Hypothekendarlehen profitieren.

Banken und Versicherer zweifeln an der erhofften Wirkung der Zinssenkung. „Die mit der Zinssenkung angestrebten positiven Impulse für die Wirtschaft des gesamten Währungsraumes dürften begrenzt ausfallen“, betonte der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. „Vielmehr erhöht das noch niedrigere Zinsniveau das Risiko einer Zunahme langfristig unwirtschaftlicher Investitionen in den konjunkturell besser dastehenden Euro-Staaten.“

EZB-Chef Mario Draghi deutete an, dass der Leitzins noch weiter sinken könne. Aber damit würde die EZB ihren Handlungsspielraum weiter einschränken. Außerdem wäre der Effekt auf Wirtschaft und Verbraucher kaum mehr spürbar. Seit Jahren zeigt sich in den USA und in Japan, was ein Leitzins nahe null bedeutet. Dort können die Notenbanker Wirtschaft und Banken nur noch mit Sondermaßnahmen stützen.

Euro und Dax stiegen nach der Zinssenkung nur leicht. Der Kurs des Euro kletterte kurzzeitig über die Marke von 1,32 US-Dollar, nachdem er am Morgen noch bei 1,3168 Dollar gelegen hatte. mit rtr

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