Zeitung Heute : Fähren nach Skandinavien: Wer zu spät bucht, muss an Land bleiben

Olaf Krohn

Die Ära der Butterfahrten ist - zum Bedauern vieler - vorbei. Zwei Jahre nach dem Ende des Duty-free-Geschäfts in EU-Gewässern haben sich die großen Reedereien auf die neue Zeit eingestellt. Fährüberfahrten nach Skandinavien sind teurer geworden. Überall wurden zusätzliche Frachtdecks für Lastwagen eingebaut, die Passagiere haben weniger Platz. In Nordeuropa dürfte es in der Sommersaison auf einigen Strecken sehr eng werden.

Die TT-Line, die zwischen Travemünde und dem schwedischen Trelleborg kreuzt, hat ihr Konzept der "Happy Party-Liner" aufgegeben. Die beiden neuen Großfähren "Nils Holgersson" und "Peter Pan", die in diesem Jahr in Fahrt kommen, bieten nur noch knapp 750 Passagieren Platz, 300 weniger als ihre Vorgänger. "Den Markt der Leute, die einfach nur mal in See stechen wollen, gibt es nicht mehr", sagt TT-Sprecherin Hanja Maria Richter.

Butterfahrer, Kegelclubs und Bustouristen: Diese Klientel ist allen großen Fähren im Norden seit 1999 fast komplett weggebrochen. Von deutschen Häfen aus können nur noch die Color Line Kiel-Oslo und im Sommer die "Finnjet" von Rostock über Tallinn nach Helsinki mit dem Lockmittel "Duty free" werben, doch diese Routen sind für Fahrten ins Blaue zu lang und zu teuer.

"Es hat keinen Sinn, in der Nebensaison Monate lang leere Betten über die Ostsee zu fahren", sagt auch Roger Wachtendonk, Marketingchef der griechischen Reederei "Superfast Ferries". Die neuen Schiffe, die Mitte Mai einen Schnelldienst zwischen Rostock und Hanko bei Helsinki eröffnen, begnügen sich auch mit 650 Kabinenplätzen.

Unter dem eleganten weiß-roten Schiffsdesign von Superfast verbergen sich schwimmende Lkw-Parkhäuser. "In Nordeuropa wird das Geld im Frachtverkehr verdient", sagt Barbara Clüver vom Branchenverband VFF. "Skandinavien ist für Reisende eben ein reines Sommerziel." Vielen Experten ist klar: Durch die Verringerung der Passagierkapazitäten wird es vor allem in den beliebtesten Ferienmonaten Juli und August Engpässe für Urlauber auf diesen Langstreckenfähren geben. Denn dann sind, so Clüver, "die Fähren schon immer bis unters Dach voll gewesen."

Doch auch wenn die Zahl der Kabinen auf Nordeuropas Fähren sinkt, so steigt doch der Komfort an Bord. Auch wenn es natürlich nicht so luxuriös zugeht, wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Zahlreiche Brücken und Tunnel haben in den vergangenen Jahren schnelle Alternativen zu den Langstreckenfähren geschaffen. Viele Reedereien verschönern ihre Fähren, um zahlungskräftige Kundschaft anzulocken, die sich bewusst für den teureren, aber entspannenden Seeweg entscheidet.

Auf den neuen Fähren finden Passagiere Fitness Center, Kinos, ausgedehnte Spielzonen für Kinder oder auch Internet-Cafés. An die Stelle der schwimmenden Schnapsläden, deren markanter Klang durch das ständige Scheppern Zehntausender Duty free-Flaschen entstand, treten - zumindest auf den ganz großen Schiffen - Geschäfte für den gehobenen Bedarf. Die Ära der bierseligen Partydampfer auf Nord- und Ostsee ist vorbei.

Dafür eröffnete im Internet jüngst ein virtuelles Reisebüro, das sich auf die Buchung von Fährpassagen in ganz Europa spezialisiert hat. Bislang sind unter www.ocean24.de zwar noch nicht alle Fährlinien zu finden, aber das Angebot soll kontinuierlich ausgebaut werden.

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