Fahrradtouren : Der Wind weist den Weg

Für Tretfaule gibt es „Rückenwindtouren“, für Kulturfans „Literadtouren“: Zu Saisonbeginn bieten Fahrradvereine Ausfahrten für jeden Geschmack.

Anna Corves
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Im Rollen. So kann man auf Weltreise gehen – oder auch nur auf Ausflugstour. Foto: ddp

Freddie Mercury in der Uckermark – das Lied des exzentrischen Queen-Frontmannes passt derzeit gut zur Stimmung: „I want to ride my bicycle – Bicycle Race!“Anradeln ist angesagt. Wir präsentieren hier eine Auswahl.

Wer Lust hat, mit anderen gemeinsam auf Tour zu gehen, findet beim Berliner Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) geführte Eintagesausfahrten – innerstädtisch wie auch durchs Umland. Frisch im Programm sind etwa die „Neuberliner Touren“. In den zweieinhalbstündigen Führungen lernen Zugezogene oder Kiez-Umzügler ihren Stadtteil besser kennen. Wo ist das nächste Schwimmbad, ein Krankenhaus oder das Einwohnermeldeamt? Ein praktischer Parcours, kostenlos und anmeldungsfrei.

Für Tretfaule gibt es ab dem 25. April wieder die „Rückenwindtouren“. Man trifft sich, hält den Finger in die Luft, radelt mit dem Wind einen der großen Radwege entlang – und nimmt für die beschwerlichere Gegenrichtung den Zug. Auch für Literatur- und Kulturfreunde gibt es Angebote. Die „Literadtouren“ folgen zum Beispiel den Spuren Strittmatters, Falladas oder Fontanes, und auch der Stahnsdorfer Waldfriedhof erzählt Kulturgeschichte.

Wer lieber auf eigene Faust loszieht, kann einzelne Abschnitte der Radfernwege in Brandenburg für Ein-Tages-Ausflüge nutzen, zum Beispiel den von Berlin nach Usedom (www.berlin-usedom-radweginfo.de). Statt sich durch die Stadt zu kämpfen, packt man das Rad am besten in die S-Bahn und begibt sich erst in Bernau auf die Strecke, die historische Stadtmauer weist den Weg. Ab Lobetal geht es durch Kiefern- und Laubwälder, durch das Naturschutzgebiet „Biesenthaler Becken“, und über verschiedene Kanäle bis nach Joachimsthal. Nach rund 50 Kilometern durch menschenarme, sanftwellige Landschaften, kann man von dort aus mit der Bahn über Eberswalde zurück nach Berlin fahren. Die Tour lässt sich aber auch zu einem etwa zehn Kilometer längeren Rundweg abwandeln, wenn man am Finow-Kanal den Oder-Havel-Radweg in Richtung Westen nimmt.

Wenig Verkehr, dafür viel Ruhe gibt es auch im Süden von Berlin, dem Europaradweg R1 folgend bis nach Lutherstadt Wittenberg. Auch hier empfiehlt es sich, den Stadtabschnitt auszusparen und lieber mit dem Zug bis Belzig zu fahren, von wo aus es durch den Naturpark Hoher Fläming geht. Zwei mittelalterliche Burgen liegen an der Strecke, Burg Eisenhardt und Burg Rabenstein .

Rund ums Rad finden im Frühjahr zahlreiche Veranstaltungen statt: Am 25. April heißt es etwa auf dem Spandauer Marktplatz „Brandenburg radelt an“. Nach der Auftaktveranstaltung geht’s per Rad bis nach Oranienburg, wo zeitgleich die Bundesgartenschau eröffnet wird – für die Teilnehmer des Anradelns gelten ermäßigte Eintrittspreise (www.reiseland-brandenburg.de). Die weltweit größte Fahrraddemonstration findet zum nunmehr 33. Mal in Berlin und Brandenburg statt: Die Sternfahrt am 7. Juni. Wie im Vorjahr werden hier rund 250 000 Teilnehmer erwartet, die auf 19 Routen sternförmig auf das Brandenburger Tor und den Großen Stern zuradeln. Erstmals ist in diesem Jahr auch eine Kinderroute angelegt. Und am 21. Juni wird der Škoda Velothon Berlin mit seinen etwa 10 000 Teilnehmern zum zweiten Mal den Autoverkehr in Berlin zum Stoppen bringen: Die Strecke führt an Sehenswürdigkeiten wie der Siegessäule, dem Reichstag und dem Alexanderplatz vorbei (www.skoda-velothon-berlin.de).

Wer sich zu solchen Rennen selbst noch nicht berufen fühlt, aber durchaus sportlichen Ehrgeiz hat, für den sind vielleicht die Radtourenfahrten (RTF) vom Bund Deutscher Radfahrer interessant. RTFen sind Radsportveranstaltungen für jedermann, die Strecken sind zwischen 41 und 170 Kilometer lang. Gefahren wird sportlich, aber ohne Leistungsdruck. Die Startgebühr liegt zwischen 3 und 8 Euro, dafür gibt''s unterwegs Verpflegungsstellen.

Kurzentschlossene können zum Beispiel am 15. März die „Havel-Frühlingsrunde“ mitdrehen, die ab 9 Uhr in Berlin-Eichkamp beginnt. Vom 21. bis 22. März finden gleich mehrere RTFen im Rahmen des „Bucksche-Schweiz-Lauf“ statt. Auch Ostern kann man im Sattel statt im Sessel verbringen, etwa am Karfreitag „Auf den Spuren Albert Einsteins“ oder am Ostersonntag auf der „Bockwindmühlentour“, in Begleitung von einem ortskundigen Führer. Eine ganze Reihe von Radtourenfahrten findet im Rahmen des „Spreewald-Marathon“ vom 17. bis zum 19. April statt, gestaffelt nach Alter und Distanz, auch eine 1-Kilometer-Mini-Tour ist für die Kleinsten dabei.

Wer sich jetzt fragt, wie er neben all der Radlerei noch arbeiten gehen soll, dem sei nochmals Freddie Mercury in Erinnerung gebracht. Sang der doch schließlich schon 1978: „Bicycle races are coming your way – so forget all your duties, oh yeah.“ Anna Corves

Weitere Tourentipps finden Sie z.B. auf

www.radeln-in-brandenburg.de

www.fahrradreisen.de und

www.fahrradtouren.de

www.adfc-berlin.de

www.rad-net.de

www.berlin-radsport.de

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