Zeitung Heute : Falten gehören dazu

Die Medizinerin Evgenia Makrantonaki untersucht die Mechanismen der Hautalterung

Aliki Nassoufis

Es ist der Traum vieler Menschen: straffe, gesunde Haut bis ins hohe Alter. Schließlich verrät die Haut oft schon sehr früh, was man sich selber meist noch gar nicht eingestehen möchte – man wird älter. Um das zu verhindern, benutzen zahlreiche Frauen, aber auch immer mehr Männer, spezielle Cremes, Salben und Peelings. Doch selbst diese vermeintlichen Wunderwaffen können biologische Prozesse nicht aufhalten. Stattdessen verändern sich bei jedem Menschen über Jahre hinweg die Hormonkonzentrationen im Körper und treiben unter anderem die Alterung der Haut erheblich voran, wie die Ärztin Evgenia Makrantonaki in ihrer Doktorarbeit an der Freien Universität herausfand. Dabei entdeckte die 30-Jährige aber noch etwas anderes, das die Medizin der Zukunft deutlich beeinflussen könnte: Krankheiten wie Alzheimer sind möglicherweise ebenfalls von Hormonen abhängig – und könnten auf diesem Weg vielleicht sogar einmal behandelt werden. Für ihre Erkenntnisse wurde Makrantonaki bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Tiburtius-Preis der Berliner Hochschulen.

Auf die Themen rund um den Aspekt der Hautalterung kam die gebürtige Griechin allerdings eher durch Zufall. „Mein Ziel war schon lange, den komplexen Aspekt der Alterung besser zu verstehen“, sagt sie. Doch das größte menschliche Organ, die Haut, spielte für Makrantonaki dabei vorerst kaum eine Rolle. Zuerst studierte sie an der Aristoteles-Universität in Thessaloniki Medizin und kam 2000 im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums an die Freie Universität und somit an das Benjamin-Franklin-Klinikum in Steglitz. Dort bot ihr Professor Christos C. Zouboulis eine Doktorarbeit zum Thema Alterung an – in der Dermatologie. Makrantonaki sagte zu und verlängerte ihren ursprünglich nur für ein Jahr geplanten Aufenthalt in der Hauptstadt.

Für ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Die molekularen Mechanismen der endogenen Hautalterung“ untersuchte sie schließlich den Effekt, den die im Alter natürliche Hormonabnahme auf menschliche Hautzellen hat. Als erste Wissenschaftlerin tat sie dies unter lebensnahen Bedingungen. Das bedeutet, dass sie die Zellen mit einer Hormonmischung behandelte, die aus Wachstumsfaktoren, Östrogenen und Androgenen bestand. Dabei benutzte Evgenia Makrantonaki zwei verschiedene Hormonkonzentrationen: zum einen die, die im Kreislauf von 20-jährigen Frauen vorkommen, zum anderen die von 60-jährigen Frauen.

Makrantonaki entdeckte, dass die Gene der Hautzellen durch die voneinander abweichenden Hormonspiegel unterschiedlich beeinflusst werden. „Dadurch verändert sich auch die biologische Aktivität der Zellen“, sagt die Medizinerin. So lässt sich wiederum das Altern der Haut erklären. „Je älter der Mensch ist und je niedriger der Hormonspiegel im Körper, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Haut dünner, trockener und empfindlicher wird.“ Falten und dünne Haut gehören folglich zum natürlichen, unaufhaltbaren Alterungsprozess jedes Menschen.

Bei ihren Studien stieß die Wissenschaftlerin außerdem noch auf einen anderen Aspekt: Gene, die bei der Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson eine Rolle spielen, sind auch in Hautzellen vorhanden – das wusste man bislang so nicht. Makranto naki identifizierte diese Gene jedoch in den Talgdrüsen der Haut. Dabei bemerkte sie auch, dass diese Gene durch sinkende Hormonkonzentrationen beeinflusst werden. „Das könnte bedeuten, dass neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer möglicherweise durch bestimmte Hormonspiegel ausgelöst oder zumindest vorangetrieben werden“, erklärt Makrantonaki, die mittlerweile als Assistenzärztin von Professor Zouboulis im Städtischen Klinikum Dessau und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Charité arbeitet, der gemeinsamen humanmedizinischen Fakultät von Freier Universität und Humboldt-Universität.

Die altersbedingte Hormonabnahme führt demnach nicht nur zur Hautalterung, sondern trägt unter Umständen auch zur Entstehung von alterungsassoziierten Erkrankungen wie Alzheimer bei. Sicher ist das zwar noch nicht. Doch in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt untersucht die Medizinerin derzeit zusammen mit dem Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin, ob es einen Zusammenhang zwischen Hautalterung und Alzheimer gibt. Alzheimer als hormonabhängige Erkrankung? Sollte sich diese Theorie bestätigen, könnte das zu völlig neuartigen Behandlungsformen führen – und vielleicht das Leiden vieler Menschen verhindern.

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