Zeitung Heute : Familie Stolpe kann ihre Villa behalten

Der Tagesspiegel

Von Thorsten Metzner

Potsdam. Brandenburgs Regierungschef Manfred Stolpe (SPD) darf seine Villa in der Potsdamer Sonnenland-Siedlung behalten. In dem seit 1991 tobenden Rechtsstreit erlitt die Hamburger Alteigentümer-Familie am Mittwoch vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht eine Niederlage. Das Gericht sah keine Anhaltspunkte dafür, dass die DDR-Behörden bei der Veränderung der Rechtsverhältnisse am Grundstück 1960 willkürlich gehandelt hätten oder beim Verkauf der Villa an die Stolpe-Familie 1977 gegen DDR-Gesetze verstoßen wurde. Am Rande der Verhandlung wurde überraschend bekannt, dass Stolpe noch kurz vor der Gerichtsverhandlung den Alteigentümern ein Vergleichsangebot unterbreitet hatte – das jedoch am Veto seiner Frau platzte. Der Anwalt der Alteigentümer Johann Christoph Duvigneau schloss nicht aus, dass das Urteil des Verwaltungsgerichtes vor dem Bundesverwaltungsgericht angefochten wird. Duvigneau bestätigte, dass Brandenburgs First Lady Ingrid Stolpe eine außergerichtliche Einigung mit den Alteigentümern im Rechtsstreit um die Villa in der Potsdamer Sonnenland-Siedlung verhindert habe.

Auch der Vorsitzende Richter Wolfgang Knippel bedauerte, dass keine gütliche Einigung zwischen der Stolpe-Familie und den Erben des früheren Regierungsbaurates Wilhelm Baumgärtel zustandegekommen war. Stolpe hatte seinen Fall immer als Modell für die Auseinandersetzungen zwischen Ost-Nutzern und West-Alteigentümern bezeichnet, die besonders Anfang der 90er Jahre für Unruhe gesorgt hatten. Nach Angaben von Duvigneau hat Stolpe zuletzt angeboten, die Villa für 250 000 Euro an die Baumgärtel-Erben zu verkaufen, wobei seine Familie ein zehnjähriges unentgeltliches Wohnrecht behalten hätte.

Die Stolpe-Familie hatte das Wohnhaus, in dem sie seit 1968 zur Miete wohnte, im Jahr 1977 für 20 500 DDR-Mark gekauft. Zu den Details des Vergleichsangebotes wollte sich Stolpes Anwalt Reymar von Wedel, zu DDR-Zeiten ein Verhandlungspartner des damaligen Konsistorialpräsidenten bei der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zwar nicht äußern. Aber von Wedel ließ durchblicken, dass er das Kompromissangebot Stolpes angesichts der geringen Erfolgsaussichten der Klage für einen Fehler gehalten habe. Zu den Beweggründen des Regierungschefs sagte von Wedel: Es sei ja bekannt, dass Stolpe „ein friedlicher, immer vergleichsbereiter und auf Ausgleich bedachter Mensch“ sei.

Laut Richter Knippel konnten keine Belege dafür gefunden werden , dass beim Kauf des Wohnhauses gegen DDR-Gesetze verstoßen worden sei. Der Kommentar von Anwalt Duvigneau vor der Niederlage: „Moralisch werden wir als Sieger den Saal verlassen.“ Stolpes Anwalt von Wedel bedauerte, dass sich der Rechtsstreit bereits 11 Jahre hingezogen habe: Die jetzt verhandelte Klage vor dem Verwaltungsgericht war vor fünf Jahren eingereicht worden.

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