Zeitung Heute : FAMILIENDRAMA

Wilde Unschuld

Daniela Sannwald

Eine schöne, ehrgeizige Mutter, ein reicher, abwesender Vater, ein vernachlässigter, altkluger Sohn: Dass ein Kind, das nur geliebt wird, solange es keine Flecken macht, aus dieser Konstellation nicht neurosenfrei herauskommt, versteht sich. Da der Junge in den Fünfzigern aufwächst, kommt ihm die folgende Dekade gerade recht, um im Gebiet des Sex’n’Drugs’n’Rock’n’ Roll alles auszuprobieren. Immer mehr ist dann seine ebenfalls vernachlässigte Mutter mit von der Partie. Julianne Moore ist die Hauptdarstellerin dieses somnambulen Films, durch den sie, stets ein wenig abwesend und auf elegante Weise hysterisch, zu schweben scheint. Überhaupt ist keine der Figuren richtig da, aber das tut ihrer Faszination keinen Abbruch. Vielmehr verfolgt man gespannt eine fragmentarisch erzählte Familiengeschichte, bei der es nur Verlierer gibt. Spannend. Daniela Sannwald



„Wilde Unschuld“, E/USA 2008, 98 Min., R: Tom Kalin, D: Julianne Moore, Stephen Dillane

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben