Zeitung Heute : Fan-Zigarren und WM-Zeltlager

Was sich Berliner Kleinunternehmer einfallen lassen, um während der Weltmeisterschaft ein gutes Geschäft zu machen

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Eine Weltmeister-Zigarre bietet Michael Diersch nicht an. „Das wäre schwierig, weil die Fifa sich viele Namensrechte rund um die WM hat sichern lassen“, sagt er. Aber der findige Berliner Unternehmer hat sich eine legale Alternative einfallen lassen. Pünktlich zum „sportlichen Großereignis in Deutschland 2006“ (von WM ist keine Rede) verkauft er eine Zigarrenedition „Germany 2006“. Die Bauchbinde zieren ein Fußball, das Brandenburger Tor und eine Deutschlandfahne: Immerhin dürfen diese Symbole noch frei verwendet werden.

Die Fifa achtet sehr genau darauf, dass vor allem offizielle Sponsoren und Lizenznehmer von der Fußballweltmeisterschaft profitieren. Dennoch gibt es auch für lokale Unternehmen und Selbstständige während der WM Chancen auf gute Geschäfte oder einen kleinen Nebenverdienst. Der Zigarrenhändler Michael Diersch will die 2006-Zigarre in seinem Schöneberger Laden per Internet (www.privatecigars.net) und über Souvenirverkäufer vertreiben. „Wie unsere anderen Sorten stammt sie aus der Dominikanischen Republik und ist handgemacht“, sagt er. 6,50 Euro kostet die kurze, 8,50 Euro die lange Version.

„Das Interesse an Geschäftsideen rund um die WM in Berlin ist riesig“, sagt Daniel Fiebig, der für die Berliner Industrie- und Handelskammer mehrere Informationsveranstaltungen über das Großereignis organisiert hat, auf denen bis zu 500 Besucher erschienen. „Besonders viele Fragen gab es zu den Public Viewings.“ So heißt das auf Marketing-Deutsch, wenn jemand WM-Spiele auf einer Leinwand zeigt und dazu Bier verkauft.

Eine offizielle Lizenz der Vermarktungsfirma Infront Sports & Media AG benötigt nur, wer eine „kommerzielle“ Veranstaltung plant, bei der zum Beispiel Eintrittsgeld genommen wird. Die Kosten der Lizenz richten sich nach Art und Größe der Veranstaltung und der Anzahl der gezeigten Spiele. Nicht-kommerzielle Veranstalter sind aufgerufen, ihr WM-Event bei Infront „anzuzeigen“, allerdings ist unter Juristen umstritten, ob dies notwendig ist (Infos bei der IHK: www.ihk-berlin.de).

Ein anderer Weg während der WM unternehmerisch tätig zu werden, ist die Vermietung von Unterkünften für Touristen. Zahlreiche Online-Agenturen bieten unter dem Stichwort „WM-Zimmer“ Vermittlungsdienste. Eine originellere Idee hatten die Organisatoren von www.tentstation.de. Die Berliner bieten Fans während der WM einen Zeltplatz mitten in Berlin auf dem Gelände eines stillgelegten Freibads an – nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. avi

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