Zeitung Heute : Fanbrief retour

Matthias Görne ließ noch nie einen unbeantwortet

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Matthias Görne, wie haben Sie Ulrich Matthes kennengelernt?

Ich hatte seit langem an dem Projekt gearbeitet, „Die schöne Magelone“ von Brahms aufzuführen, wofür man einen herausragenden Sprecher benötigt, der einen großen Teil des Textes von Ludwig Tieck bewältigen muss. Mein Vater (der langjährige Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Dieter Görne, Anm.) vermittelte mir dann den Kontakt zu Ulrich Matthes. In der Pause eines Konzerts rief er mich zurück und sagte, er würde sich sehr freuen, hätte viele CDs von mir, aber eins müsse er mir gleich sagen: Er habe einmal in seinem Leben einen Fanbrief geschrieben, an mich, er hätte sich wirklich Mühe gegeben, sehr persönlich sei der Brief gewesen und er finde das nicht in Ordnung, dass ihm nie geantwortet hätte!

Was konnten Sie da erwidern?

Ich war mir absolut sicher, den Brief nie bekommen zu haben, denn ich lasse nie Briefe unbeantwortet! Die sehr, sehr schönen Konzerte, die wir dann zusammen hatten, machten diese kuriose Vorgeschichte schließlich vergessen.

Inwiefern ist Ulrich Matthes ein musikalischer Schauspieler?

Seine Empfindsamkeit, seinen Zugang zur Musik spürt man in jedem Moment. Sowohl, wenn er als Schauspieler auf der Bühne steht, als auch wenn er mit Künstlern aus dem musikalischen Bereich zusammenkommt. Vor allen Dingen hat er eine enorme Werkkenntnis, gerade im kammermusikalischen Bereich. Schubert liebt er total, auch unbekanntes Repertoire. Das ist sehr beeindruckend.

Beneidet der Sänger den Schauspieler und umgekehrt?

Ich glaube ja, das ist wechselseitig. Ich beneide die Schauspieler mitunter darum, dass sie freier sind und nicht in einen Rhythmus gezwungen werden. Ich habe das aber auch umgekehrt schon von Ulrich Matthes gehört, dass er uns Sänger um die stärkere Modulationsfähigkeit beneidet, wobei er nun einer der außergewöhnlichsten Schauspieler gerade in diesem Bereich ist. Wie sich in seinem Sprechen Stimmungen und Modulationen auf vollkommen organische Weise entfalten, das ist phänomenal. Schade, ich hätte wirklich gerne bei der Preisverleihung ein Wunschkonzert für ihn gesungen – leider sitze ich dann gerade im Flugzeug zu einem Konzert in New York.

Matthias Görne ist Lied- und Opernsänger. Mit Ulrich Matthes als Sprecher und Elisabeth Leonskaja am Klavier führte er mehrfach „Die schöne Magelone“ von Ludwig Tieck/Johanns Brahms auf. Es besteht der Plan, dies auch in Berlin zu tun, am Deutschen Theater.

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