FANTASYFILM„Harry Potter und der Halbblutprinz“ : Showdown im Turmgemäuer

Jörg W erD

Auch für Harry Potter beginnt die biologische Uhr zu ticken. Mit dem sechsten Teil biegen die Leinwandadaptionen der Zauberer-Saga von Joanne K. Rowling in die Zielgerade ein. Es wird höchste Zeit: Den langsam dem Teenageralter entwachsenden Hauptdarstellern Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint nimmt man die pubertären Gefühlsverwirrungen, die einen beträchtlichen Teil der zweieinhalb Stunden von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ einnehmen, gerade noch ab. So tolpatschen sich Harry und seine Freunde Hermine und Ron durch erste amouröse Abenteuer, die allerdings – dies ist schließlich ein Film für die ganze Familie – völlig züchtig und jugendfrei ausfallen.

Der harmlos-heitere Liebesreigen und der detailreich skizzierte Schulalltag in Hogwarts sorgen für kurzweilige Intermezzi im zunehmend düsterer werdenden Bedrohungsszenario. Während Schuldirektor Dumbledore mit Harrys Hilfe die Unbesiegbarkeit des bösen Voldemort zu ergründen sucht, treten dessen Schergen immer zerstörerischer in Erscheinung. Das innere Gefüge von Hogwarts wird zudem durch einen Verrat erschüttert, der zum tödlichen Duell im Turmgemäuer führt.

Regisseur David Yates tut gut daran, die überbordende Fantastik früherer Teile zurückzuschrauben. Das Harry-Potter-Universum mit all seinen Fabelwesen ist hinreichend eingeführt und bedarf nurmehr der zitathaften Erwähnung. Die bislang oft demonstrativ eingesetzten Spezialeffekte werden dem Erzählfluss untergeordnet, was ihre illusionistische Wirkung noch erhöht. Ohnehin ist die sprunghafte, aber an den richtigen Stellen verdichtete Dramaturgie eine Stärke des Films. Fans mögen murren, dass sich das Finale gerade nicht zum materialverschleißenden Zaubererduell wie im Buch auswächst. Doch in der beinahe nihilistischen Verkürzung dieser Schlüsselszene, die darin an den Showdown von „Kill Bill 2“ erinnert, liegt eine tragische Wucht, die kein pyrotechnisches Spektakel erreicht hätte.

Yates dürfte der richtige Mann für den Abschluss der Filmreihe sein, auch wenn er nicht an die poetische Kraft des besten Potter-Regisseurs Alfonso Cuarón heranreicht. Ob er den zurückhaltenden Inszenierungsstil durchhält oder dies nur ein Atemholen vor dem alles übertrumpfenden Effektegewitter war, wird man in ein bis zwei Jahren beurteilen können. Ambitionierte Fortsetzung. Jörg Wunder

„Harry Potter und der Halbblutprinz“, GB/USA 2009, 153 Min., R: David Yates, D: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, Michael Gambon

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