Zeitung Heute : Farbanzeigen waren die Ausnahme Werbekunden konnten erst mit dem Offset auf Farbe setzen

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Wenn der Tagesspiegel in den 60er Jahren mit einer Vierfarbanzeige erscheinen sollte, herrschte zuvor in der Redaktion und der Druckerei eine Ausnahmesituation. So muss es auch am 8. Januar 1968 gewesen sein, als eine ganze Seite einer Waschmittelreklame vierfarbig gedruckt werden sollte. Bei einem Umfang von 24 Seiten war das ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Er stellte die Drucker der ehemaligen MercatorDruckerei auch vor große Herausforderungen. Denn eigentlich war der Hochdruck, mit dem die Zeitung damals hergestellt wurde, gar nicht für den Vierfarbdruck ausgelegt.

Zwar liefen auch damals schon die Papierbahnen an vier Druckzylindern vorbei, um die vier Farben aufzunehmen, aber die Papierführung war unendlich komplizierter als heute. Der Rasterpunkt war noch im Vergleich zu heute unendlich grob, damals wurde mit einem 28er Raster gedruckt, heute mit einem 40er. Zudem waren die Druckplatten noch aus Blei. Sie hatten die Neigung, sich zu verformen. Bei Hitze zogen sie sich zusammen, so dass die vier Formen nicht mehr übereinander passten und sich nach dem Andruck eine verwackelte Seitenoptik zeigte. Oftmals dauerte das Einrichten der Maschine ein paar Stunden. Denn es mussten immer wieder neue Druckplatten angefertigt werden bis die Passgenauigkeit hergestellt war. Das barg gewisse Unsicherheiten im Produktionsablauf, kostete Unmengen Papier und erforderte von der Redaktion große Disziplin und Pünktlichkeit, was das Zusammenstellen der redaktionellen Seiten betraf. Mit der Einführung von Kunststoffplatten entspannte sich die Situation ein wenig.

Die technischen Möglichkeiten des Druckens spiegeln sich vor allem in der Anzeigengestaltung wieder. Waren es am Anfang noch reine Schwarz-weiß-Zeichnungen wurden später die Anzeigen mit Fotos aufgelockert und seit den 60er Jahren immer öfter mit Zusatzfarben gedruckt. Der Einsatz von Schwarz und einer Zusatzfarbe führte dann oft dazu, dass das Anzeigenmotiv auf die Rückseite durchschlug, was den Leser nicht erfreute.

Aber der Tagesspiegel hat immer die Anzeigen nach Maßgabe seiner technischen Möglichkeiten gedruckt. Als im Jahre 1991 in der Potsdamer Straße dann der Offsetdruck eingeführt wurde, verbesserten sich die Möglichkeiten schlagartig. Mit dem neuen Druckort Spandau wird der Tagesspiegel seinen Anzeigenkunden erstklassige Druckqualität auch hinsichtlich der Farbe bieten können. R.B.

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