Zeitung Heute : Fast schon der zweite Osama bin Laden Der Jordanier al Sarqawi tobt sich im Irak mit seinen Kämpfern aus

Frank Jansen

Er gilt im weltweiten Netz des islamistischen Terrors fast schon als der zweite Osama bin Laden: Der Jordanier Abu Musab al Sarqawi soll persönlich den Amerikaner Nick Berg geköpft haben. Wenn das stimmt, hätte Sarqawi den vielen ihm zugeschriebenen Bluttaten eine weitere hinzugefügt – und auf zynische Weise seinen Ehrgeiz befriedigt. Der 37 Jahre alte Islamist versucht seit Monaten, mit Gewalt und fanatischer Propaganda auf sich und seine Kämpfer aufmerksam zu machen. Sarqawi führt oder dominiert zumindest Gruppen wie Al Tawhid, Ansar al Islam, Ansar al Sunni sowie Muntada al Ansar, auf deren Internetseite jetzt der Mord an Nick Berg gezeigt wurde.

In welchen Wahn sich Sarqawi gesteigert hat, konnten die Amerikaner bereits im Januar nachlesen: In einem Strategiepapier, das den US-Truppen in Bagdad die Hände fiel, bat der Jordanier Osama bin Laden, den Plan für einen Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten im Irak zu bestätigen – mit dem offenkundigen Ziel, das Chaos im Land so zu steigern, dass die US-Truppen und ihre Verbündeten nur noch das Weite suchen können.

Sarqawi hat offenbar im Irak sein persönliches Schlachtfeld gefunden, auf dem er die verhassten Amerikaner beinahe täglich treffen kann. Die Serie der Anschläge, die mutmaßlich von ihm initiiert wurden, begann im August 2003: Vor der jordanischen Botschaft in Bagdad riss eine Autobombe 17 Menschen in den Tod. Wahrscheinlich steckte Sarqawi auch hinter den Attentaten auf das UN-Hauptquartier und den Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

Auch außerhalb des Irak hat Sarqawi Blutspuren hinterlassen – oder es zumindest versucht. In Deutschland ermittelt Generalbundesanwalt Kay Nehm gegen ihn wegen „Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung“. Das Bundeskriminalamt hob 2002 im Ruhrgebiet eine Al-Tawhid-Zelle aus und vereitelte Anschläge auf jüdische Einrichtungen. Voller Ungeduld hatte Sarqawi die Kämpfer gedrängt, endlich loszuschlagen.

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