Zeitung Heute : Fauler Zauber

Der Tagesspiegel

VON ANNETTE KÖGEL

Knöpfen Sie das Hemd wieder zu, setzen Sie die Sonnenbrille ab, klappen Sie das Faltdach wieder hoch. Ist nichts mit Frühling, vorerst jedenfalls. Dass der laue Lenz morgen beginnt, steht höchstens im Kalender. Mehr aber nicht. Heute soll es 12 Grad geben, Freitag gerade noch die Hälfte, und am Wochenende kann es sogar noch einmal schneien, wenn die Ostkaltfront eiskalt weiter als erwartet gen Westen rollt.

Dabei haben wir uns schon so gefreut. Endlich die Heizung im Auto wieder aus- und dafür die ersten Erdbeeren für den Frühlings-Prosecco kalt gestellt. Den ersten Morgenkaffee schon draußen auf der Dachterrasse serviert. Und beim Bummel über die ITB, ganz ehrlich, die Nase viel lieber im Sommergarten mal kurz in die Sonne als in die Prospekte gesteckt. Schon wieder vorbei.

Aber wir lassen uns das nicht gefallen. Morgen wird auf der Tourismus-Börse ein Aussteller was zu hören bekommen. Wir haben nämlich den Schuldigen an der Wetter-Misere gefunden. Der Mann heißt „Chief Nothing Pass God“ alias „Häuptling-nichts- ist-größer-als-Gott“ und lebt in Nigeria. Da wurde der Regendoktor doch kürzlich extra angeheuert, um eine Parteiveranstaltung trocken zu legen – und was passierte? Kaum hatte der westafrikanische Rainman mit Litanei und Zauberspruch begonnen, schüttete es wie aus Kübeln.

Der Mann hat die globale Thermik durcheinander gebracht! Nichts wie hin zu Nigeria auf der ITB, Halle 21a Stand 20, aber schnell. Kein Wunder, dass sich das Land nur mit einem einzigen Stand auf die Reisemesse gewagt hat. Nun soll es Protestresolutionen hageln! Unterschriftenaktionen regnen! Eine Flut der Entrüstung wird das Land überrollen. Die machen wir nass, dass es sich nur so gewaschen hat!

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