Zeitung Heute : Faulheit: Hirnforschung: Der Kopf bestimmt die Pause

Wissenschaftlern vom Londoner Wellcome Department für kognitive Neurologie soll es gelungen sein, Areale im Gehirn sichtbar zu machen, die bei der Entspannung aktiv sind. Der Münchner Neurowissenschaftler Ernst Pöppel glaubt dennoch nicht an die Existenz solch eines Wohlfühlzentrums, vielmehr sei Entspannung ein Gesamtzustand des Gehirns, in dem verschiedene Areale zusammengeschaltet werden müssen.

Unstrittig ist, dass schon allein wenn man die Augen schließt, die Frequenz der Gehirnwellen, die sich mittels eines Elektroenzephalogramms messen lassen, auf den so genannten Alphabereich absinken. Man vermutet, dass dies ein Indikator einer Nichttätigkeit des Gehirns ist. Laut Pöppel ist aber nicht nachgewiesen, dass damit tatsächlich Entspannung einhergeht. Nach seiner Auffassung ist Entspannung etwas, was der Mensch als komplexes System registriert. Das lässt sich eher an Indikatoren wie der Muskelspannung oder der Veränderung der Hauttemperatur messen, "wenn zum Beispiel einer eiskalte Hände hat, dann kann der gar nicht entspannt sein".

Und doch gibt das Gehirn so etwas wie den Pausenrhythmus vor. Weshalb es zum Beispiel vollkommen absurd sei, wenn wie jetzt Tarifparteien 14 Stunden über einen Punkt verhandelten. "Wir können uns nur für 90 Minuten auf eine Sache konzentrieren", sagt Pöppel. Das seien einfach Randbedingungen, die das Gehirn vorgebe, darauf sollten wir unsere Gewohnheiten abstimmen. "Nach 90 Minuten können sie getrost eine Pause von zehn Minuten einlegen, die Gedanken schweifen lassen. Erst danach sind Sie wieder aufnahmefähig."

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