Zeitung Heute : Faulheit: Interview: Wir sind keine Märtyrer

Slow City heißt langsame Stadt. Was haben Si

Slow City, der laut Eigenwerbung "Verbund der lebenswerten Städte", wurde 1999 im italienischen Orvieto gegründet. Die 12000-Einwohner Stadt Hersbruck war die erste deutsche Stadt, die diesen Titel verliehen bekommen hat. Wir sprachen mit Bürgermeister Wolfgang Plattmeier.

Slow City heißt langsame Stadt. Was haben Sie denn gegen Tempo?

Bei hoher Geschwindigkeit kann das Denken einfach nicht mehr den Stellenwert haben, der im Leben notwendig ist.

Würden denn Ihre Mitbürger zu Gunsten der Gemütlichkeit auch eine langsame Verwaltung in Kauf nehmen?

Ach wissen Sie, Aktionismus allein bringt ja nichts. Und wenn man sich Zeit nimmt, ist man ja nicht unbedingt langsamer. Man muss eben nachdenken, wie man das vernünftig organisiert.

Gönnen Sie denn Ihren Mitarbeitern auch mal eine kontemplative Ruhepause?

Vor Jahren schon haben wir eine Arbeitszeitregelung vereinbart, die den Mitarbeitern erlaubt, zum Beispiel mittags entweder zwei Stunden Pause zu machen oder auch nur 38 Minuten, was immer sie wollen, so lange nur sichergestellt ist, dass in der Kernzeit die jeweiligen Sachgebiete mit mindestens einer Person verteten sind.

Nehmen Sie selbst sich denn manchmal die Freiheit zum Mittagsschlaf?

Also - ich dürfte schon, aber ich bin vielleicht zu dumm dazu. Das ist wahrscheinlich das Problem, das alle Politiker haben, auch wenn sie nur in einer kleineren Stadt an der Spitze stehen. Wir kämpfen für andere und bleiben auf der Strecke. Klingt jetzt natürlich sehr nach Märtyrer, aber man muss leider sagen, im Großen und Ganzen ist das wohl so.

Gibt es ein Recht auf Faulheit?

Ja, würde ich sagen. Allerdings muss man sich das Recht auf Faulheit erarbeiten.

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