Zeitung Heute : Feierabend!

Der Tagesspiegel

Historisch betrachtet hat das Unheil bereits im Juli 1899 begonnen, als die Reichspost die zweite Briefzustellung am Sonntag einstellte und damit den ersten Schritt in Richtung postalischer Servicewüste unternahm, freilich auf hohem Niveau. Heute vormittag werden wir in Berlins Mitte diese Wüste einen Tag lang sehr weit unten durchschreiten, weil die dortigen Mitarbeiter der Post die schärfste Waffe des klandestinen Arbeitskampfes einzusetzen belieben: die Betriebsversammlung. Wenn wir richtig verstanden haben, geht die Argumentation etwa so: Wir müssen uns zusammenfinden, um unsere Sachen zu besprechen, und zwar persönlich; das mit den Telefonen ist ja die Telekom. Ein ganz anderer Laden! Vormittags also ist Versammlung, und dann, wenn alles beredet ist, haben wir Feierabend, also bleiben die Briefe liegen. Wir könnten zwar erst die Briefe austragen und uns dann versammeln, aber dann wäre ja auch Feierabend - und am Feierabend kann bekanntlich keine Versammlung stattfinden. Steht praktisch in der UN-Charta! Und nur so, einfach der Sache wegen, macht die schönste Betriebsversammlung einfach keinen Spaß, leider, leider. Ja: So ist das. Man könnte die Informationen auch einfach per Brief verschicken. Aber dieser Weg ist den Briefträgern wohl zu unsicher. Das verstehen wir.

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