Zeitung Heute : Feierabend

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Was wird heute wichtig?

Wenn Bundespräsident Johannes Rau mit dem Großen Zapfenstreich heute Abend aus seinem Amt verabschiedet wird, hat das mit der ursprünglichen Bedeutung des Zapfenstreichs nicht mehr viel zu tun. Der hat seine Anfänge im 17. Jahrhundert. Vorgesetzte Militärpolizisten teilten den Soldaten in den Wirtshäusern durch einen symbolischen Schlag auf den Zapfen eines Fasses mit, dass sie ihr Gelage beenden sollten. Nach diesem Zapfenschlag durften den Soldaten keine Getränke mehr ausgeschenkt werden. Die Soldaten hatten unter der Begleitung von Musikanten, Trommlern und Pfeifern gemeinsam in die Heerlager zurückzumarschieren. Im Laufe der Zeit wurde es üblich, das Zeichen zur Nachtruhe auch in musikalischer Form zu geben. Bei der Kavallerie geschah dies durch Trompetensignale – die „Retraite“ –, bei der Infanterie durch besondere Spielstücke für Flöte und Trommel. Das heute übliche Zeremoniell des Großen Zapfenstreichs geht auf die Befreiungskriege (1813 bis 1815) zurück. Aus dieser Zeit stammt der Brauch, dem Zapfenstreich ein kurzes Abendlied folgen zu lassen. König Friedrich Wilhelm III. befahl unter dem Eindruck eines Brauches in der russischen Armee im August 1813 auch bei seinen Truppen nach dem Zapfenstreich ein Gebet. Auf dieser Grundlinie stellte der Direktor der Musikkorps des Preußischen Gardekorps, Friedrich Wilhelm Wieprecht, die noch heute gültige Form des Großen Zapfenstreiches zusammen. Er erklang auf diese Weise mit 1200 Mitwirkenden erstmalig am 12. Mai 1838 in Berlin als Abschluss eines Konzertes zu Ehren des russischen Zaren. Seit etwa 1922 ist es üblich, den Zapfenstreich mit der Nationalhymne zu beenden. Heute wird sich Rau nach dem Zapfenstreich aber sicherlich noch ein Glas genehmigen dürfen… lha

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