Zeitung Heute : Feiern oder baden gehen?

Ist eine Klage erfolgreich, muss der Verlierer alle Kosten tragen. Doch nicht immer ist die Lage so eindeutig – Anwalts- und Gerichtsgebühren im Überblick.

Vor Gericht und auf hoher See. Über das Prozessrisiko klärt ein guter Anwalt seinen Mandanten umfassend auf. Foto: WavebreakmediaMicro/Fotolia
Vor Gericht und auf hoher See. Über das Prozessrisiko klärt ein guter Anwalt seinen Mandanten umfassend auf. Foto:...Foto: WavebreakmediaMicro Fotolia

Manch einer rauft sich ratlos die Haare, wenn er Post vom Anwalt bekommt – mit einer Honorarnote des Advokaten. Da tauchen Begriffe wie Gegenstandswert, Verfahrens- und Terminsgebühr auf, versehen mit Kommazahlen, Ziffern und Abkürzungen. Am Ende steht meist ein krummer Eurobetrag – gefolgt von der Bitte, diesen zu begleichen.

Sei’s drum, denkt der Mandant und zahlt. Wer versucht, die Rechenakrobatik nachzuvollziehen, hat allerdings ein weit besseres Gefühl. Perfekt gewappnet sind schließlich Mandanten, die bereits im ersten Termin die Kosten ansprechen – falls der Anwalt es nicht von sich aus tut.

„Das Thema Honorar wurde früher von vielen Anwälten im Mandantengespräch vornehm ausgelassen“, sagt Christian Christiani, Rechtsanwalt in Berlin und Geschäftsführer des Berliner Anwaltsvereins. „Das ist heute aber anders, weil Anwalt und Mandant freier sind, Gebühren zu vereinbaren.“ Außerdem hätten Mandanten ein Recht darauf, über Kosten aufgeklärt zu werden.

ERSTBERATUNG

Frei verhandelbar ist das Honorar für die sogenannte Erstberatung. Wer zum Beispiel überlegt, ob er sich wegen der Rückzahlung einer Kaution mit seinem Vermieter streiten soll, muss als Privatperson für eine erste Beratung maximal 190 Euro plus Mehrwertsteuer zahlen. Die Gebühr wird in der Regel auf weiter entstehende Kosten angerechnet.

AUSSERGERICHTLICHE 

VERTRETUNG

Wird der Anwalt dann tätig, indem er dem Vermieter eine Zahlungsfrist setzt, liegt eine sogenannte außergerichtliche Vertretung vor. Auch hierfür sind die Kosten frei verhandelbar. Der Anwalt könnte seinem Mandanten also eine schriftliche Gebührenvereinbarung vorlegen, mit der er für seine Leistung zum Beispiel 180 Euro plus Mehrwertsteuer pro Stunde berechnet. Kommentarlos unterschreiben muss der Mandant aber nicht; er kann mit dem Anwalt über das Honorar verhandeln.

Im Regelfall rechnen Anwälte ihre Arbeit jedoch auch für außergerichtliche Vertretungen auf der Grundlage des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) ab. Bemessen wird das Honorar dann anhand des Gegenstandswerts, auch Streitwert genannt. Geht es etwa um rückständigen Unterhalt in Höhe von 5000 Euro, den der Anwalt beim Ex-Partner des Mandanten „eintreiben“ soll, kann er nach den gesetzlichen Gebührenregeln inklusive Auslagenpauschale und Mehrwertsteuer 492,54 Euro in Rechnung stellen. Dabei gilt: Je höher der Streitwert, desto höher die Kosten (siehe Tabelle).

STREITIGKEITEN VOR GERICHT

Ist der Gang vor Gericht unvermeidbar, richtet sich das Honorar des Anwalts stets nach den gesetzlichen Gebührensätzen des RVG. Wer eine Klage einreicht, muss neben seinen eigenen Anwaltskosten auch einen Gerichtskostenvorschuss begleichen, der sich ebenfalls am Gegenstandswert orientiert.

Geht es bei einer zivilrechtlichen Klage zum Beispiel um 1000 Euro, liegt der Vorschuss bei 159 Euro, bei einem Streitwert von 5000 Euro werden 438 Euro Vorschuss fällig.

UND WER ZAHLT?

Wer diese Kosten am Ende trägt, hängt vom Ausgang des Prozesses ab. Ist die Klage erfolgreich, muss der Verlierer nicht nur die Gerichtskosten übernehmen, sondern auch die kompletten Anwaltskosten beider Parteien.

„Zu einer guten anwaltlichen Beratung gehört es, den Mandanten über die Erfolgsaussichten einer Klage und vor allem das Kostenrisiko aufzuklären“, sagt Rechtsanwalt Christiani. Sollte es dennoch zu einem Konflikt über die Anwaltsrechnung kommen, biete die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft in Berlin eine kostenlose Überprüfung der Rechnung sowie eine Vermittlung an (siehe Artikel auf Seite B3).

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