Zeitung Heute : Feiern wie damals

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Herbst ist da, und die Nächte werden kühler. Höchste Zeit, dass es auf den Tanzflächen der Berliner Clubs wieder wärmer wird. In den heißen Sommermonaten konnte man mit dem kühlen, geraden Electro-Sound, der fast überall zu hören ist, noch leben, er sorgte mit seinem niedrigen Ekstase-Potenzial für moderate Tanzflächen-Temperaturen und reduziertes Schwitzen. Aber kaum fallen die Blätter und trägt man wieder Pullover, verspürt man den dringenden Wunsch nach Musik für das Herz und die Hüften.

Gleich heute Abend gibt es für dieses Verlangen eine wunderbare Gelegenheit: Die „Washing Machine“-Party im Café Moskau. Nein, hier geht es nicht darum, Wäsche zu waschen, „Washing Machine“, das ist der Titel eines der ersten House-Music Stücke überhaupt, und es stammt aus der Feder des Musikers und DJs Mr.Fingers. Und wenn man eine Party schon nach Mr.Fingers benennt, dann ist klar: Es geht an diesem Abend um House-Music.

Nun werden Sie vielleicht denken, ach, House-Music, na und? Aber wenn Sie sich genau umschauen, werden Sie festellen, dass es richtige House-Music-Abende fast nirgendswo mehr in Berlin gibt. So, wie es überhaupt wenige Club-Abende gibt, bei der Musik gespielt wird, die Heiterkeit und Sexyness ausstrahlt, die Seele hat, aber trotzdem temporeich ist, nach vorne gehenden Basslines und unwiderstehliche Grooves hat. Damit das nicht so bleibt, haben sich die drei House-Aficionados DJ Clé, DJ Dixon und DJ Terrible zusammengeschlossen und mit „Washing Machine“ eine neue Party-Reihe gestartet. Dabei soll vor allem jene euphorische Stimmung wiederbelebt werden, die House-Music in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern zur aufregendsten und besten Tanz-Musik der Welt machte. Die drei Plattendreher sind von Anfang an dabei gewesen, als es losging mit House-Music, sie kennen sie also bestens, die Platten von damals. Dabei geht es ihnen aber nicht darum, dogmatisch die rarsten Tracks aus der Frühzeit des Genres zu spielen und mit ihren Vinyl-Schätzen zu protzen, es geht ihnen darum zu zeigen, welches Feier-Potenzial in der „alten“ Musik noch heute steckt.

DJ Clé ist verreist, als besonderen Gast hat man dafür heute den Neu-Berliner Danny Wang aus New York eingeladen, der in Berlin schon mehrfach, etwa in der Panoramabar, zeigte, wie wunderbar man die Euphorie, die die Musik von alten Disco- und House-Platten ausstrahlt, im Mix mit Platten von heute zu einem unwiderstehlichen Party-Sound verbindet. Das heißt: Heute Abend wird im Café Moskau richtig gefeiert. Und wenn es wie bei der ersten „Washing Machine“-Party wird, bei der ein gut gestyltes Publikum, viele Frauen und einige schwule Männer eine super Zeit zusammen hatten, dann dürfte die heutige Party eine ganz besondere werden. Wenn Ihnen das zu heiß wird, können Sie in der Lounge des Café Moskau zu weniger Beats Per Minute tanzen: Auch dort geht es um die Old School, aber nicht um House, sondern um HipHop. Also, klar, was Sie heute Abend machen?

„Washing Machine“ im Café Moskau, Karl-Marx-Allee, Mitte, heute ab 23 Uhr.

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